b) Das Aufbringen der Konturen.

Wenn wir auch nicht daran denken, unsere Kunstweise zu Kopierzwecken herabzuwürdigen, so geschieht das Entwerfen der ersten Anlage doch selten auf der grundierten Platte. Eine Studie in Feder oder Kreide ist meistens Vorlage für die Arbeit und ihre Hauptumrisse werden auf den Ätzgrund mittelst Pause übertragen. Mit mittelweichem Bleistift wird sie auf starkem Pauspapier hergestellt. Ein Stück weißes, dünnes Schreibpapier wird auf eine harte, glatte Unterlage gelegt und mit weichem Fettrötel (oder Schneiderkreide) gleichmäßig übergangen; nach vollendeter Arbeit wird das überschüssige, noch am Papier liegende Rötelpulver abgestaubt, denn es würde sich beim Aufbringen der Zeichnung auf die Platte unangenehm bemerkbar machen. Überdies reibt man das aufgestrichene Pulver mit dem Handballen fest an’s Papier. Die Kupferplatte wird zunächst auf einem Brett mit Nägeln befestigt. Darüber wird die gepauste Zeichnung, Bildseite nach unten, gelegt, ihre Lage auf der Platte genau eingestellt und mit Reißnägeln an einer Seite befestigt, damit man beim Pausen immer nachsehen kann. Das Rötelpapier wird dann zwischen Platte und Pause, bestrichene Seite nach unten, eingeschoben; es braucht ja in seiner Lage nicht genau fixiert zu werden. Mit einem mittelharten Bleistift, einem Holz- oder Beingriffel erfolgt nun das Aufpausen der Konturen auf den Ätzgrund. Sie sind nach vollendeter Arbeit licht auf dunklem Grund sichtbar.

Das bestrichene Papier läßt auf dem Ätzgrund einen mehr oder weniger dichten Schleier von Farbenpulver zurück, der die gepauste Zeichnung undeutlich macht. Dieser Schleier läßt sich mit einem sehr weichen Lappen, einem Stückchen Flanell oder Watte leicht wegwischen, die Zeichnung hält fest am Ätzgrund und tritt dann ganz klar zutage.

Braucht man die Vorlage nicht zu schonen, so kann das Pauspapier erspart werden. Man zeichnet dann die Konturen auf deren Rückseite durchs Fenster nach. Auch auf Gelatinefolien, dünnen glasklaren Gelatineblättern, kann die Pause hergestellt werden. Hier werden die Konturen nicht gezeichnet, sondern mit scharfer Radiernadel eingeritzt. Diese geritzte Zeichnung wird dann mit Rötelpulver eingerieben und blankgewischt. Sodann legt man sie – Bildseite nach unten – auf die grundierte Platte, legt zähes graphitiertes Papier darauf und reibt mit dem Beinstab kräftig ([Abb. 13]), oder läßt Platte mit Pause und Papier durch die Walzen gehen bei schwach gestellter Spannung. Das Resultat dieses Verfahrens unterscheidet sich von dem des erstbeschriebenen Vorgangs nur durch seine Kostspieligkeit. Wer radieren will, muß eben ein kundiger Zeichner sein, und dem wird das Pausen gewiß keine Schwierigkeit bereiten.

Gelatinepausen zeichnen sich allerdings durch außerordentliche Genauigkeit aus und sind dann notwendig, wenn eine sehr komplizierte Zeichnung mit größter Präzision übertragen werden soll. (Faksimilie, Landkarten und dergl.)

Man kann eine Zeichnung auch direkt auf die Platte übertragen und zwar wie folgt: Man stellt das Bild – ohne viel Detail – auf glattem Naturpapier mit schwarzer und weißer Kreide her; dabei zeichne man alles sehr kräftig und präzis, vermeide jede Verschwommenheit und sehe auf klare Linienführung. Mit einem Gemisch von arabischem Gummi und etwas Seife reibt man die grundierte Platte ein und beeilt sich, auf diese noch feuchte Emulsion die soeben beschriebene Zeichnung – Bildseite nach unten – draufzulegen. Sofort wird damit begonnen, die Rückseite der Zeichnung mit dem Beinstab ([Abb. 13]) zu reiben. Dieser Vorgang liefert auf dem Ätzgrund ein sehr präzises Spiegelbild unserer Vorlage; man kann daran ohne weiteres mit dem Radieren beginnen. Bei reiner Linienzeichnung schummert man das Naturpapier vorerst ganz mit weißer Kreide an und zeichnet mit schwarzer Fettkreide auf diesen weißlichen Grund. Die Seifen-Gummischicht muß sehr dünn, gleichsam wie ein Hauch auf der Platte sein.

c) Die Radiernadeln.

Abb. 5. Die Radiernadel (Längsschnitt.)

Das wichtigste Werkzeug zur Ausführung des künstlerischen Teiles der Radierung ist die Radiernadel. Sie muß aus gutem Stahl und darf nicht so dünn sein, daß sie sich bei schwachem Aufdrücken schon biegen läßt. Unbestritten vorzügliche Dienste leisten Nähnadeln von mittlerer Stärke. Sie sind so hart, daß sie eher brechen als sich biegen und schneiden gegebenenfalls auch ins Kupfer sehr gut ein. Zwei solche Nadeln, eine feinere und eine stärkere, genügen für den Anfang vollkommen. Sie werden in Hefte aus hartem Holz gefaßt, sodaß nur ihre Spitzen aus demselben hervorsehen. Eine solche Radiernadel hat dann das Aussehen eines feingespitzten Bleistiftes, dessen Dicke das Heft auch nicht übertreffen soll. ([Abb. 5.]) Wichtig ist, daß die Nadel fest und ohne zu wackeln oder zu »federn« im Holze sitze. Die Brauchbarkeit der Spitze prüft man, indem man auf einer anderen Kupferplatte (ein Abfall von Kupferblech genügt zum Probieren von Nadel und Ätzwasser) krumme Linien nach allen Richtungen hin zeichnet; gelingt dies, ohne daß die Nadel stecken bleibt oder scharrt, so ist dieselbe zur Arbeit brauchbar; im andern Falle muß die Nadel erst durch Wetzen auf glattem Holz, Leder oder Pappe dahin gebracht werden. In Fachgeschäften erhält man Radiernadeln gebrauchsfertig zu kaufen.