Abb. 4. Anrauchen der grundierten Kupferplatte.

Bald wird man bemerken, daß die Platte ihren roten Glanz verliert und sich schwärzt. Ist dies an allen Stellen erfolgt, so ist die Arbeit vollendet. Sie erfordert viel Geduld und Übung. Legt man das Brett mit der Platte auf den Tisch, so sieht man auf ihr einen braunschwarzen, matt glänzenden und undurchsichtigen Ton, auf dem das Arbeiten sehr angenehm ist. Bei richtigem Vorgang des Anrauchens darf dieser Überzug nach dem Erkalten nicht im Geringsten abfärben, das wäre ein Zeichen, daß zuviel gerußt wurde. Die Flamme der Fackel bringt nämlich den Ätzgrund neuerdings zum Schmelzen; der Ruß wird durch den weichen Firnis in beschränkter Menge gebunden. Matte, überrußte Stellen lassen sich vom Firnis mit einem sehr weichen Lappen abwischen; das darf selbstverständlich nur auf gänzlich erkalteter Platte geschehen, da die Firnisschicht im warmen Zustand sehr leicht verletzlich ist. Mißlingt irgend etwas in einer dieser Arbeitsphasen, so heißt es die Platte mit Terpentin abwaschen, entfetten und mit Grundieren und Rauchen von neuem beginnen, was wohl kaum einem Anfänger erspart bleiben dürfte, da hier Übung die Hauptsache ist; also nicht den Mut verlieren!

Es wird oft geraten, dem Ätzgrund eine undurchsichtige und dabei säurefeste Substanz (zum Beispiel Graphitpulver) beizumengen, damit das Anrauchen erspart bleibe.

Dagegen möchte ich einwenden, daß eine gleichmäßige Mischung dieser zwei Stoffe schwer möglich ist. Und wenn auch, – die Graphitstäubchen rauben dem Ätzgrund seine Geschmeidigkeit, denn diese Körnchen werden von der Nadel aus dem Ätzgrund gerissen und verursachen einen ruppigen Strich, auch wenn man noch so feines Graphitpulver verwendete. Eine starke Lupe wird den Unterschied der Probestriche auf den beiden Ätzgründen deutlich zeigen. Übrigens ist auch die Dichtheit des Überzuges durch solche Beimengungen in Frage gestellt.

Die vollkommen kalte Platte wird wieder in die früher erwähnte Schachtel mit Flanellboden gelegt, falls sie nicht gleich in Verwendung genommen wird. Es ist noch zu beachten, daß der Ätzgrund in dünner Schichte nicht unbegrenzt lange seine Festigkeit gegen Säure bewahrt; er beginnt unter dem Einfluß der Atmosphäre allmählich zu verwittern. Deshalb ist es angezeigt, die Platte erst kurz vor der Inangriffnahme der Arbeit zu grundieren und auch während derselben keine allzugroßen (wochenlangen) Pausen eintreten zu lassen.

Ist der Ätzgrund nicht gar zu alt auf der Platte, so kann man ihn dadurch regenerieren, daß man die Platte von unten her gelinde erhitzt. Dieses neuerliche Anschmelzen macht ihn wieder gebrauchsfähig und erspart das neuerliche Grundieren. Daß man diese Prozedur bei einer bereits angefangenen Arbeit nicht unternehmen darf, ist selbstverständlich; der geschmolzene Ätzgrund würde ja die bereits radierten Striche wieder schließen.

3. Das eigentliche Radieren.

a) Von der Wahl des Motives.

Für den Anfänger ist es keine leichte Sache, einen geeigneten Stoff für seine ersten Versuche zu wählen; deshalb wollen wir bei dieser Frage etwas verweilen.

Vor allem Andern muß betont werden, daß die Radierung sich auf den Strich aufbaut; Tonqualitäten können erst bei einiger Übung angestrebt werden und erfordern schon eine weitergehende Schulung und Erfahrung. Das Dankbarste für den Anfänger ist die Landschaft. Das Motiv sei einfach und zeige kräftige Kontraste. Je mächtiger und ausdrucksvoller die Formen, je geschlossener die darin vorkommenden Flächen, desto besser für die ersten Versuche. Eines sei dem Anfänger dringend ans Herz gelegt: »Nur ja keine Photographie kopieren wollen!« Bald nach den ersten Strichen würde Ratlosigkeit und Entmutigung eintreten und dem Lernenden die Freude an der Arbeit vergällen. Gewiß hat jeder meiner lieben Lernbegierigen genug flotte Federskizzen oder Kreidezeichnungen von selbst geschauten Landschaften in seiner Mappe, sie sind recht dankbare Vorlagen für unsre ersten Arbeiten und dürften in den wenigsten Fällen erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Wir wollen ja zunächst einmal bloß mit Nadel und Ätzwasser recht vertraut werden und beabsichtigen keine Bilder zu schaffen, denen man das mühevolle und angestrengte Arbeiten schon beim ersten Blick anmerkt. Dafür aber führt vieles Radieren, Abwechslung in den Vorlagen zur Tüchtigkeit.