a) Die Bereitung des Ätzwassers.
Es gibt viele gute Rezepte zur Bereitung von Ätzwässern, doch will ich auch hier meinem Vorsatz treu bleiben und einfach nur ein, allerdings wohlerprobtes, Rezept anführen, mit dem der Anfänger, wie auch der Fortgeschrittene für alle Fälle auskommen wird.
Den Hauptbestandteil des Ätzwassers bildet die Salpetersäure. Sie ist in jeder feineren Drogerie in einwandfreier Reinheit erhältlich und gewöhnlich 40 – seltener 42 – prozentig. Diese konzentrierte (rauchende) Salpetersäure sowie auch das aus ihr bereitete Ätzwasser muß unbedingt in Flaschen mit eingeschliffenem Glasstöpsel (sogenannten Säureflaschen) aufbewahrt werden. Aufschriften mit Vermerk des Prozentgehaltes des Flascheninhalts sind zum bequemen, sicheren Arbeiten sehr wünschenswert. Eine in Kubikzentimeter eingeteilte zylindrische Glasmensur dient zu den verschiedenen Messungen, welche zum richtigen Mischen notwendig sind.
Einen zweiten Bestandteil bildet chlorsaures Kali; zum Lösen beider dient abgekochtes oder destilliertes kaltes Wasser. Das Ätzwasser soll nicht mehr als 17 bis 18% Salpetersäure enthalten; ein blankes Kupferblech (unsere Probeplatte) darf bei Berührung mit der Lösung nicht sofort aufschäumen, sondern soll sich bei mittlerer Zimmertemperatur nach etwa 30 bis 60 Sekunden langsam mit Bläschen belegen.
Recht bequem ist folgender Vorgang:
In 100 cm³ reinem (destill.) Wasser werden 2 Gramm chlorsaures Kali vollständig gelöst. In diese Lösung gießt man sehr langsam nach und nach im ganzen 100 cm³ konzentrierte Säure. Hierbei tritt eine Erwärmung des Gemisches ein. Nach dessen Erkalten schüttelt man bei geschlossener Flasche tüchtig um, damit eine recht gleichmäßige Mischung erfolgt. (Die Säure ist schwerer als Wasser und sinkt vor der gänzlichen Lösung darin unter.) Diese Lösung ist jetzt (genau kennt der Händler den Prozentgehalt seiner Säure meistens nicht, und die Anschaffung eines Aräometers ist durchaus nicht notwendig) ungefähr 20prozentig, also wahrscheinlich zu stark. Wir gießen nun in die Glasmensur genau 10 cm³ unseres Ätzwassers und heben mittelst eines Glasröhrchens einen Tropfen Ätzwasser daraus auf die blank gescheuerte und entfettete Probeplatte. Erfolgt nun die Blasenbildung zu bald und zu heftig, dann ist das Ätzwasser zu stark. Wir gießen nun etwa 1 cm³ (destill.) Wasser in die Mensur nach, müssen aber vorerst die Probe wieder mit dem zu prüfenden Ätzwasser auf 10 cm³ ergänzen. Eine zweite Probe auf Kupfer an einer andern Stelle wird schon ein Abnehmen der Energie bekunden. Dies setzt man fort, bis die Flüssigkeit in der Mensur den gewünschten Grad erreicht hat. Wäre dies z. B. nach Zugießen des 3. cm³ erfolgt, so heißt das: 3 cm³ Wasser zu 10 cm³ Lösung gibt den gewünschten Grad oder: 3 Zehntel vom Volumen des Ätzwassers muß noch Wasser zugegossen werden. Hat man nun 200 cm³ Lösung angesetzt, so bedarf sie noch 60 cm³ Wasser, um den erwünschten Grad zu erreichen.
Derselbe Vorgang, nur entsprechend verändert, ist auch angezeigt, wenn man ein zu schwach geratenes Ätzwasser, bei dem es fast gar nicht zu Blasen kommen will, durch Zugießen von konzentrierter Säure verstärken will.
Statt der Probeplatte kann man sich auch eines blanken Probestreifens aus Kupferblech bedienen. Man senkt ihn in die mit dem fraglichen Ätzwasser gefüllte Mensur.
Das chlorsaure Kali ist zur Bereitung des Ätzwassers nicht unumgänglich notwendig, jedoch als Zusatz sehr anzuempfehlen, da das Arbeiten mit einem solchen Ätzwasser infolge der ausgleichenden Wirkung dieser Substanz sehr angenehm und der Ätzeffekt viel harmonischer ist. Die Konzentration des Ätzwassers hat auf den Charakter der Ätzung erheblichen Einfluß, was bei Arbeiten ernsterer Art berücksichtigt werden muß. Für besonders tiefe sammetartige Töne erhöhen wir den Säuregehalt, soweit dies mit Rücksicht auf die Widerstandsfähigkeit des Ätzgrundes zulässig erscheint. Zarte und duftige Partien bedürfen hinwiederum eines stark verdünnten Ätzwassers; selbstverständlich muß mit größerem Prozentgehalt die Ätzdauer bedeutend verkürzt werden, wie sie bei dünnerem Agens entsprechend verlängert werden muß.
Daß Salpetersäure sowie auch ihre Lösungen für Stoffe und dergl. sehr verderblich werden können, daß die Hände vor Berührung mit ihr sorgfältig zu hüten, im andern Falle aber durch sofortiges gründliches Waschen vor schmerzhaften Verätzungen zu retten sind, ist wohl allbekannt. Fällt ein Tropfen Säure auf ein Tuch, so kann unverzügliches Übergießen oder reichliches Betupfen mit gesättigter Sodalösung (Waschsoda) unter sonst günstigen Umständen vor Schaden bewahren.