b) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.

Es handelt sich nun darum, die radierte Platte für die Ätzung derart auszurüsten, daß zuverlässig nur die Zeichnung der Wirkung der Säure ausgesetzt werde, alles übrige, bloßliegende Kupfer aber, namentlich die Rückseite davor geschützt sei. Der Mittel hierzu gibt es einige, sie seien hier der Vollständigkeit wegen alle behandelt.

1. Das älteste Verfahren, von vielen Meistern noch heute angewendet, besteht darin, daß man um die Zeichnung herum auf der Platte einen etwa daumenbreiten Damm aus Ätzwachs aufmodelliert, welcher mit der Platte zusammen eine Art rechteckiger Schale bildet, in der das Ätzwasser etwa 10–15 Millimeter hoch stehen kann. Selbstverständlich muß vor dem Eingießen der Säure die Wasserdichtheit dieser improvisierten Schale erst sorgfältig mit gewöhnlichem Wasser erprobt werden.

2. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man die ganze Platte (mit Ausnahme des zu ätzenden Bildes) mit säurefestem Asphaltlack bestreicht. Nachdem dieser Anstrich vollkommen trocken geworden, kann die Ätzung in einer photographischen Schale aus Porzellan oder Glas geschehen.

Das unter 1. beschriebene Verfahren hat fast nur Schattenseiten: Ist schon das Aufmodellieren des Wachsdammes keine angenehme Arbeit, so ist das Ätzen selbst äußerst unbehaglich, das Zurückgießen des Ätzwassers in die Flasche aber trotz einer in die Wachsmasse eingedrückten Ausflußdille geradezu problematisch. Ferner ist zu bedenken, daß die Platte (wie später beschrieben), nach der ersten Ätzung mit Nadel und Pinsel weiter bearbeitet werden soll, daß hierauf abermaliges Ätzen und abermaliges Arbeiten am Bilde erfolgen kann. Soll man da mit der Nadel und dem Pinsel vielleicht über den weichen klebrigen Wachsrand hinweg arbeiten, oder gar nach jedesmaliger Ätzung denselben abräumen und nach erfolgter Arbeit behufs neuerlicher Ätzung ihn wieder aufmodellieren?

Gegen das 2. Verfahren ist in der Theorie nichts einzuwenden. In der Praxis zeigt sich jedoch, daß der Asphaltlack an den Kanten und Ecken durch Anfassen mit den Händen weggewischt wird, selbst wenn der Anstrich noch so dick wäre. Auf der Rückseite ist derselbe fortwährend Beschädigungen infolge Aufliegens ausgesetzt, welche zu unerwünschten »Schadenätzungen« Anlaß geben.

Diese Mißlichkeiten haben mich zu folgendem Ausweg geführt. Hierzu ist bloß eine stärkere Glastafel nötig, deren Kanten um etwa 3 cm größer sein müssen als die der Kupferplatte. In unserem Falle wäre die Platte 13 × 18; dann müßte die Glastafel 16 × 21 cm messen.

Auf der Rückseite der Kupferplatte wird unter jede Ecke ein erbsengroßes Stück Ätzwachs geklebt und die Platte mittelst dieser Klümpchen an der Glastafel derart durch Drücken und Schieben befestigt, daß erstens die Klümpchen ganz flach gequetscht werden, zweitens, daß die Kupferplatte in der Glastafel konzentrisch liegt; d. h. daß ein 1½ cm breiter Rand freien Glases um die Platte herumläuft. Mit einem geeigneten Modellierholz werden nun die Fugen zwischen Kupfer und Glas mit Ätzwachs wasserdicht verschmiert, damit ja kein Ätzwasser an die Hinterfläche der Kupferplatte gelangen kann. Das gelingt nur, wenn Kupfer und Glas vollkommen trocken sind. Zur Sicherheit kann jetzt Glasrand, Wachsrand und Platte (diese bis an die Bildgrenze) mit Asphaltlack bestrichen werden. ([Abb. 6.]) Eine also ausgerüstete Platte bietet die Bequemlichkeit, nicht nur zum Ätzen, sondern auch zu etwaiger Handbearbeitung auf dem Tisch immer bereit zu sein; ein Zerstören des Schutzüberzuges an den Kanten ist hier ausgeschlossen. Hat man es bei einer Arbeit überhaupt mit nur einer einzigen Ätzung zu tun, so genügt das unter P. 2 beschriebene Verfahren.

Abb. 6. Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.