c) Die Bereitung von Ätzwachs.

Man schmilzt in einem Topfe ein ausgiebiges Quantum schwarzen Ätzgrund (siehe Bereitung [Seite 7]) bei gelinder Hitze und setzt soviel Wachs und Unschlitt hinzu, bis die Masse beim Erkalten nicht mehr ganz erstarrt, sondern die Konsistenz von Modellierton behält. Ein Zusatz von Brennöl ist vorteilhaft aber nicht unbedingt notwendig; er macht eben das Wachs recht geschmeidig. Bei Benutzung der Methode mit der Glastafel braucht man übrigens nicht viel von dieser Masse zu bereiten. Am besten schützt man sich vor der lästigen Klebrigkeit des Ätzwachses, wenn man es in eine hölzerne oder blecherne Salbendose eingießt und darin erstarren läßt. Zum Gebrauch sticht man seinen Bedarf mit dem Modellierholz heraus. Sollte das Wachs, namentlich im Sommer, gar zu weich und klebrig sein, so setze man ihm, indem man es wieder einschmilzt, noch etwas Asphalt zu. Dieser muß aber wieder allein geschmolzen und dann erst mit der andern Masse gemischt werden.

d) Die erste Ätzung.

Wir legen nun unsre auf eine Glastafel aufgemachte Platte, Bildseite nach oben, in eine der Größe entsprechende photographische Schale aus Glas oder Porzellan. Diese Schale darf nicht zu knapp sein, da sonst das Herausnehmen der Platte aus dem Ätzbade schwierig ist. Auf das radierte Bild gießen wir das Ätzwasser, bis es wenigstens 1 cm hoch über der Kupferplatte steht. Wegen des sich entwickelnden gesundheitsschädigenden Gases soll das Ätzen nicht in einem Wohnraum vorgenommen werden. Kann man nicht im Freien arbeiten, so wähle man ein offenes, im Schatten liegendes Fenster dazu.

Bald nach Aufgießen des Ätzwassers wird man bemerken, daß die bis dahin rotgoldschimmernden Striche der Zeichnung an Glanz verlieren und weiß werden; ein Zeichen, daß die Bläschenbildung begonnen hat. Am reichlichsten zeigt sich diese Erscheinung zuerst an den kräftig radierten Stellen, also meistens in den Schattenpartien. Allmählich steht das ganze Bild bis in die zartesten Partien in Bläschen. Bis zu diesem Zeitpunkt muß die Platte unbedingt im Ätzbade verweilen. Mit einer Gänsefeder werden von Zeit zu Zeit die Bläschen von der Zeichnung weggestrichen, damit die Ätzung von denselben nicht aufgehalten werde. Hat man eine recht tiefe Schale, so neigt man sie derart, daß die Platte ganz vom Ätzwasser befreit wird; wenn dann nach einigen Augenblicken die Bläschen von den radierten Strichen gänzlich verschwunden sind, läßt man durch Wagrechtstellen der Schale das Ätzwasser wieder über die Platte. Das sich entwickelnde Gas ist – eingeatmet – gesundheitsschädlich; längeres Verweilen mit dem Gesicht über der Schale ist streng zu vermeiden. Angezeigt ist es deshalb, die Schale mit einer größeren Glastafel während der Ätzungen bedeckt zu halten.

J. Roller empfiehlt in seinem Buche »Technik der Radierung« (Wien, Hartleben) u. a. das Dr. Böttcher’sche Ätzwasser, da damit der Ätzprozeß ohne schädliche Gasentwicklung vor sich geht: 10 Gewichtsteile rauchende Salzsäure + 70 Gw.-T. dest. Wasser + 2 Gw.-T. 10% siedende Lösung chlorsaures Kali. Mir kommt jedoch dieses Ätzwasser ein wenig zu schwach, also langsam wirkend und minder energisch vor. Für zarte Partien und für Tonätzungen jedoch ist es wegen seiner milden Wirkung zu empfehlen.

Die erste Ätzung kann in 5–10 Minuten beendet sein. Ihre Wirkung soll für die lichtesten und zartesten Partien des Bildes berechnet sein. Mit einem meißelartig zugeschnittenen, reinen Holzstäbchen hebt man nun die Platte, bei der Glaskante fassend, empor, nimmt sie vollends heraus und spült sie sofort in reinem Wasser, indem man sie in einem großen Gefäß mit Wasser hin- und herbewegt oder sie unter der Wasserleitung abbraust. Ausgiebiges Spülen der Platte ist unerläßlich, da in den feinen Vertiefungen der Striche leicht Säure sitzen bleiben und sich schädlich bemerkbar machen kann. Das Trocknen der Platte beschleunigt man durch Andrücken, (nicht Wischen!) reiner trockener Leinwand oder eines Filtrierpapiers. Man kann jetzt an einer minder wichtigen Stelle, am besten an einer Ecke, zur Probe mit Terpentin den Ätzgrund entfernen, um nachzusehen, ob die Ätzung genügend tief gegriffen hat. Soll weitergeätzt werden, so wird die Probestelle mit Pinselfirnis wieder sorgfältig gedeckt (siehe [Seite 40]). Die Striche werden mit sehr spitziger Nadel nachradiert.

e) Abgestuftes Ätzen (Pinselfirnis.)

Die im Ätzbade entstandenen Furchen sind alle gleich tief. Da nun die Dunkelheit des Striches im Abdruck von der Tiefe seiner Ätzung abhängt, so ergibt sich bei unsrer Platte der Schluß, daß alle Striche der Zeichnung im fertigen Druck die gleiche Intensität haben werden. Das ist aber nicht immer unsre Absicht, denn ein Abdruck von unsrer Platte, in ihrem jetzigen Zustand, würde ein eintöniges, flaues und mageres Aussehen haben, Tondifferenzen dürften wir von ihm nicht erwarten.

Hätten wir, um ein Beispiel anzuführen, eine Landschaft mit geschlossen im Ton wirkenden Laubmassen, Gelände im Vordergrunde, weißem Gemäuer und bewölktem Himmel, so ergeben sich für uns drei Tonwerte: Die dunkle Laubmasse (und vielleicht einige Kraftstellen sonstwo), der Mittelton des Geländes und die Helligkeit des Himmels mit den Flecken weißen Gemäuers. Die erste Ätzung geschieht wie vorhin beschrieben; sie muß der Helligkeit des Gewölkes und des Gemäuers angemessen sein. Zur weiteren Behandlung der trockenen Platte bereiten wir uns »Deckfirnis« auf folgende Weise: Harter Ätzgrund wird bei mäßiger Hitze geschmolzen. Sodann wird ihm soviel Terpentinessenz zugesetzt, daß dieser Firnis in kaltem Zustand nicht mehr stockt, sondern dickflüssig bleibt. Ein geringer Zusatz von braunem Siccativ bewirkt ein rasches Trocknen auf der Platte. Dieser honigdicke »Pinselfirnis« oder »Deckfirnis« wird in einem Fläschchen, gut verkorkt, an einem kühlen Orte in Vorrat gehalten. Sollte bei großer Kälte eine Stockung eintreten, so stellt man das Fläschchen eine Weile in warmes Wasser. Der Firnis hält sich im warmen Zimmer dann lange flüssig. Bei dieser Gelegenheit kann man auch noch Terpentin unter kräftigem Schütteln zusetzen.