Bevor ich auf dieses Thema näher eingehe, möchte ich dem Anfänger dringend ans Herz legen, diese Disziplin nicht auf die leichte Achsel zu nehmen. Mag sie Schweiß kosten, denn das Abdrucken von der Platte mit unsern primitiven Mitteln erfordert viel Übung und steht an Schwierigkeit dem bisher Gelernten nicht nach, ja kann es unter Umständen noch übertreffen. Trotzdem ist die Erlernung dieser Kunst unerläßlich, wenn der Anfänger mit den Leiden und Freuden der ganzen Technik so recht vertraut werden will. Bei unverdrossener Übung bleibt der Erfolg gewiß nicht aus, und die Freude an einem wohlgelungenen Abdruck wiegt alle Müh’ und vielleicht auch ausgestandenen Ärger reichlich auf. Die Schwierigkeit des Verfahrens liegt darin, daß so viele Faktoren beim Gelingen in Betracht kommen, Faktoren, deren Zusammenwirken man erst durch fortwährendes Üben erkennen und beherrschen lernt.

Gleich hier muß ich einem Mißverständnisse entgegentreten, das geeignet ist, das nun zu Erlernende um seinen Wert zu bringen: Wir dürfen von unsrer Mühe durchaus nicht ein elendes Surrogat für einen mittelst Walzenpresse gewonnenen Abzug erwarten; Erfahrung und Übung führen zu Resultaten, die den Vergleich mit einem aus der Presse hervorgegangenen Blatte wohl auszuhalten im stande sind. (Siehe sämtliche Kunstbeilagen.)

Unsre erste Sorge richtet sich auf

b) Das Druckpapier.

Seine Eigenschaften müssen dem Zwecke angemessen sein.

Es muß sich in die feinen Furchen der Kupferplatte eindrücken lassen; um die in diesen Furchen sitzende Druckfarbe aufzunehmen, muß es auch saugfähig genug sein. Diesen Zwecken entspricht in erster Linie »Japanpapier« und das sogenannte »Kupferdruckpapier«. Für unsre Zwecke ist jedoch jedes gute, geschöpfte Papier vorzüglich geeignet. Auch Maschinenpapier kann gut sein; empfehlenswert sind die sehr licht getonten, ziemlich starken Naturpapiere der Papierfabrik Eichmann & Comp. in Arnau. Schöne Drucke liefert »Ingrespapier«, auch »Kohlenskizzenpapier« genannt. Für Probedrucke eignet sich feuchtes Filtrierpapier auch ganz gut. Obwohl es beim Probedruck nicht von Belang ist, empfiehlt sich doch die Wahl eines angenehm lichtgetonten Papiers, da das reine Weiß meist einen kalten Eindruck macht.

Das Papier wird zunächst in Stücke geschnitten, deren Format dem der Kupferplatte entspricht. Es soll um ein Beträchtliches größer sein als die Platte. Zum Druck verwendet man es in gefeuchtetem Zustand.

Die in Formate geschnittenen Blätter läßt man einige Zeit in reinem Wasser liegen.[3] Dabei ist Sorge zu tragen, daß die Blätter nicht aneinander kleben, da sonst gewisse Stellen an ihnen trocken bleiben könnten. Man zieht jedes Blatt einzeln zuerst durch’s Wasser und wischt die entstehenden Luftblasen mit einem Schwamm weg, erst dann überläßt man die Papiere sich selbst. Je dicker das Papier, desto länger muß es sich im Wasser befinden; sehr starke und feste Papiere badet man in warmem Wasser. Auf eine Glas- oder Steinplatte legt man mehrere Blätter weißen Filtrierpapieres, darauf ein nasses Druckpapier, dann zwei Filtrierblätter, dann ein nasses Druckpapier, wieder zwei Filtrierblätter u. s. w. Oben schließen mehrere Filtrierblätter ab. Mit einer Holzwalze (Teigwalze) wird jetzt die ganze Lage kräftig gewalzt, damit sich die Nässe durch das ganze Paket gleichmäßig verteile. Schließlich legt man eine Glasplatte oben drauf und beschwert wenn nötig mit mäßigem Gewicht. Japanpapier ist sehr zart und darf nicht so behandelt werden. Es wird in ein Format geschnitten, welches ein wenig kleiner als die Kupferplatte sein muß. Dann werden nasse und trockene Filtrierblätter gemischt und gewalkt. Das Japanpapier kommt sodann in trockenem Zustand zwischen die feuchten Filtrierblätter. Diese müssen stets größer sein als das Druckpapier; sie sollen das Trocknen der Ränder des letzteren verhindern.

[3] Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein.

Bretter aus Holz dürfen zum Pressen nicht verwendet werden, weil sie sich infolge der Feuchtigkeit werfen würden. Wohl aber kann man zwei Bretter auf je einer Seite mit dünnem Zink- oder Aluminiumblech überziehen; das Arbeiten mit ihnen ist angenehmer als das mit den zerbrechlichen Glas- oder schweren Steinplatten.