Auf einer anderen, trockenen Unterlage wird nun dieselbe – im rechten Winkel zur letzten Schliffrichtung – mit einer Bürste aus feinem Stahldraht (erhältlich in Eisenhandlungen) weiterbearbeitet. ([Abb. 16]).

Auch zu den Diagonalen parallel kann gebürstet werden. Die Glätte der Platte steigert sich nun zusehends und kann durch die Anwendung des flachgehaltenen Polierstahles noch gehoben werden; er wird in einer zu sich stets parallelbleibenden, eventuell einer zweiten dazu senkrechten Richtung über die Platte geführt und hinterläßt darauf eine äußerst dichte Strichlage.

Abb. 16. Stahldrahtbürste.

Endlich werden auch diese Striche getilgt, indem man die Platte mittelst eines mit Filz überspannten Brettchens, einer sogenannten Filzfeile, unter Anwendung von Globuspasta[7] poliert.

[7] In Ermanglung dieser tut es wohl auch eine Pasta aus Öl mit Engelrot, Kohlenpulver oder Schieferpulver.

Die Platte ist zu neuer Arbeit bereit, bedarf aber behufs Aufbringen des Ätzgrundes noch einer auf [Seite 11] beschriebenen gründlichen Entfettung.

Wer aus irgend einem Grunde diese Arbeit nicht verrichten kann, der lasse seine Kupferplatte bei einem Messerschmied oder in einer Plattier-Anstalt blank schleifen.

9. Strich und Ton.

So sehr auch zugegeben werden muß, daß unsere Technik in ihrer bisher beschriebenen Ausübung geeignet erscheint, dem Künstler ein Ausdrucksmittel zu sein, das ihm gestattet, sein Innerstes vor dem Beschauer aufzutun, so ist doch und namentlich heute nicht mehr die Nadel allein das ganze Rüstzeug des Radierers.