»Im Sturm«, Original-Radierung von Alois L. Seibold
Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am besten zarte Rähmchen, welche entweder ein sehr flaches oder noch besser gar kein Relief haben. Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen Leisten wirken sehr vornehm.
Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten dann noch einen Aufdruck unterhalb des Bildes, welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung »Originalradierung von N. N.« enthält.
Schlußwort.
Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so möchte ich mir die Freude nicht versagen, dies Büchlein mit dem Bewußtsein zu beschließen, in so mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu frischer Kunstbetätigung.
Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich ins Praktische der Technik einzuführen, damit der erziehliche Wert des Selbsterprobens dem Lernenden so bald als möglich zu gute komme.
Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses Buches die Lehre von etwas bereits Bestehendem und kann, ohne das Wesen des Ganzen anzutasten, nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet. Was ich aber als wesentlich bei der Radierung erblicke, das sind in noch viel höherem Maße als Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente, wert der besonderen Aufmerksamkeit des Lernenden, der nicht nur in technischem Können es zur Meisterschaft bringen sondern auch mit künstlerischem Takte sich der errungenen Ausdrucksweise bedienen will.
Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch die beabsichtigte Hinweglassung der Aufzählung und Beschreibung der vielen anderen Sticharten dem Buche nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese entweder mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B. die Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst usw.), da dort das Vertiefen der bilderzeugenden Elemente auf mechanischem Wege geschieht, oder wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen Arten der »Aquatinta« (im Absatz »Strich und Ton« ist das Prinzip einer solchen Aquatintatechnik, nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver, gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die Crayon- und Korntechniken doch für den freischaffenden Künstler nicht gerade den Königsweg bedeuten, da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden.
Von alledem sei bloß die »kalte Nadel« oder »Schneidenadel« erwähnt, da sie ein wertvolles Mittel bei Retouche und Nacharbeit der geätzten Platte ist.
Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche jedoch nicht kegelförmig sondern schneidig geschliffen ist. Die photographische Schneidefeder leistet auch hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und ermöglicht, in zarten Strichlagen geführt, duftige lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei, daß die kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter ergibt als die Ätzung, daß also ihre Anwendung vorsichtig und sparsam erfolgen muß, damit der Gesamtcharakter der Arbeit dadurch nichts von seiner harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder (kalte Nadel) erzeugt neben den feinen Furchen auf der Kupferplatte auch aufstehende Kanten, die sogenannten »Grate«. Man fühlt sie leicht heraus, wenn man mit der Fingerspitze über die Platte streicht. An diesen Graten würde beim Abziehen die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige Stellen verursachen. Deshalb muß man diese Grate vor dem Einschwärzen mit dem Schabstahl abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst nicht entfernen, sondern nur umlegen und die Furchen dadurch wieder schließen würde.