In der Seele unsers Williams gingen seltsame Dinge vor, als er den Capitain also reden hörte und die hellen Thränen schossen ihm aus den Augen, indem er an die theure Mutter und ihren Schmerz, an die Heimath und seine Gespielen dachte, die er nun wahrscheinlich nicht wieder sehen sollte. Dieser Schmerz war so natürlich und er hatte sich seiner nicht zu schämen, um so weniger, da er noch ein Knabe und kein gereifter Mann war.
Der tiefen Betrübniß und dem thatenlosen Schrecken der Mannschaft folgte bald ein anderer Zustand und die Hoffnung, daß dennoch vielleicht Rettung möglich sei, blitzte in vielen Herzen, gleich einem Stern in dunkler Nacht, auf. Die Thätigkeit erwachte wieder: man sah sich nach Rettungsmitteln um; das große Boot war noch da; man konnte sich, wenn das Schiff wirklich sinken oder in Trümmer gehen sollte, zum Theil auf diesem, zum Theil durch Befestigen an den Schiffstrümmern vielleicht noch retten.
Der in den Raum hinabgestiegene Schiffszimmermann kam wieder herauf; seine Miene verkündete nichts Gutes; die Blicke Aller richteten sich ängstlich und erwartungsvoll auf ihn.
»Es sind schon sechs Fuß Wasser im Raume,« sagte er mit fast tonloser Stimme, »und es wächst mit jeder Minute; ein großes Leck muß da sein: wo aber? vermag ich nicht zu entdecken, da das Wasser schon so hoch gestiegen ist.«
»An die Pumpen! An die Pumpen!« erscholl es jetzt aus dem Munde der Matrosen und Alle stürzten, ohne erst den Befehl des Capitains abzuwarten, in den Raum hinab, um die Arbeit zu beginnen.
»Arme Jungens!« sagte der Schiffszimmermann mit einem schmerzlichen Lächeln um den bleichen Mund, »arme Jungens, es wird Euch nichts helfen: das Leck ist zu groß und Eure Kräfte werden nicht ausreichen, das Wasser im Raume zu bewältigen.«
»Ist das Eure feste Ueberzeugung, Meister?« fragte ihn der Capitain, der aus einem dumpfen Dahinbrüten plötzlich zu erwachen schien.
»Ja,« versetzte der Gefragte, »und wenn ihrer zweimal so viele wären, so würden sie nicht Herr des Wassers werden.«
»So sollen sie die Zeit nicht mit unnützer Arbeit verlieren,« sagte der Capitain und ließ einen Ruf erschallen, auf den Alle wieder auf's Verdeck kamen.
»Meister Steffen sagt,« nahm der Capitain das Wort, als die Matrosen ihn umstanden, »daß es mit dem Pumpen nichts sei und wir eine wahrscheinlich sehr kostbare Zeit nur damit verlieren würden. Wir dürfen seinem Worte vertrauen, da er ein geschickter, vielerfahrner Mann ist und sich schon oft den Wind um die Nase hat wehen lassen. Denken wir also auf eine andere Rettung. Laßt das Boot ins Meer hinab; vielleicht legt sich der Sturm in Kurzem und wir können mit dem Boote See halten. Die Küste kann nicht fern sein! Gott könnte sich unser erbarmen und uns an dieselbe führen. Wendet also Eure Kräfte darauf, das Boot ins Meer hinabzulassen und sobald sich der Sturm nur in Etwas legen sollte, wollen wir es besteigen.«