Gehorsam diesem Befehle machten sich die Matrosen an die Arbeit und schon nach Verlauf weniger Minuten schauckelte sich das Boot auf den bewegten Wellen. Nur kurz dauerte aber die Freude: eine ungeheure Sturzwelle kam und riß in ihrem Anprall das Boot mit sich fort; ihre Kraft war so groß gewesen, daß sie das starke Tau zerrissen hatte, als wäre das Fahrzeug an einem Zwirnsfaden befestigt gewesen.

Ein Schrei des Entsetzens entfuhr bei diesem Anblick dem Munde Aller; der Capitain aber sagte, wie vor sich hin, mit dumpfem Tone:

»Nun ist's aus! Gott erbarme sich unser!«

In dem Augenblicke fing das eben noch ganz fest liegende Schiff an, eine schwankende Bewegung zu machen, ein Krachen, wie vom Einsturz eines großen Gebäudes, ließ sich vernehmen und zugleich stieg das Wasser von unten herauf aufs Verdeck. Das Schiff war geborsten und bestand nur noch aus Trümmern.

Jeder wußte jetzt, was es galt und griff nach einer rettenden Planke. Der große Mast, der bereits geknickt gewesen war, begrub in seinem Umsturze zwei Matrosen, die in der Richtung standen, in der er fiel. Ob sie dadurch getödtet wurden, oder erst in den Wellen ihr Ende fanden, ist nicht zu bestimmen, denn Jeder dachte in dem Augenblick nur an sich und an die eigene Rettung.

Unser William, noch ein Neuling auf dem Meere, wußte nicht, was er thun, was er beginnen sollte. Er stand neben dem Capitain, rang die Hände und schickte Gebete für seine Rettung zum Himmel empor. Zufällig fiel der Blick des Capitains auf den armen Knaben und, trotz der eigenen Noth und Gefahr, jammerte sein Schicksal ihn; es war sein Gewissen, das ihm Theilnahme und Mitleid für ihn einflößte.

»Komm,« sagte er zu unserm William, indem er ihm die Hand reichte; »komm, wir wollen zusammen unser Heil versuchen, und sollten wir untergehen, so vergib mir Deinen Tod, an dem ich schuld bin.«

Er zog ihn mit sich fort, zum großen Maste hin, der bereits auf dem Verdeck im Wasser schwamm, denn so hoch war dieses bereits gestiegen, ergriff ein starkes Tau und befestigte mit diesem den halbtodten Knaben an den Mast. Darauf suchte er ein zweites Tau, umschlang sich damit und befestigte es gleichfalls daran. Kaum war dies geschehen, so schwamm der Mast von den Schiffstrümmern ins Meer hinab und die Wogen schossen darüber hin.

Was weiter mit ihm vorging, vermochte unser William nicht zu sagen: die Sinne hatten ihn verlassen und er hing wie schon todt an dem Maste, der, der Richtung des Windes folgend, an eine unbekannte Küste trieb, wo er, von einer ungeheuren Welle hoch aufs Land hinaufgeworfen, am Ufer liegen blieb.

Der Ton einer Stimme erweckte William aus seiner Betäubung; er erkannte die des Capitains, aber sie war so schwach, daß er sie kaum zu unterscheiden vermochte.