– »Umarme auch ihn und nenne ihn deinen zweiten Sohn, denn er ist mein liebster Freund, mein Bruder und nach dir mir der liebste auf der Welt.«
– »Ja, er soll auch mein Sohn sein,« versetzte die Mutter und umarmte bei diesen Worten den tiefgerührten Kolbi, der die Mutter seines Williams auch schon lieb gewonnen hatte.
Dann ging's an's Erzählen und Ihr könnt Euch vorstellen, wie interessant der Frau Robinson jedes Wort war, das ihr geliebter Sohn zu ihr redete. Fast bis um Mitternacht dauerten die Mittheilungen Williams, und selbst da konnte man noch nicht einschlafen.
Etwa zehn Jahre nach diesen glücklichen Vorfällen sprach man sehr viel in der Stadt von dem reichen Kaufmann Herrn William Robinson, von dem man behauptete, daß ihm alle seine Speculationen über Erwartung glückten. Als Compagnon war ein Eingeborener Australiens, der die heilige Taufe erhalten und den Namen Williams in derselben angenommen hatte, in die Handlung aufgenommen worden und er zeichnete sich durch Geschicklichkeit und Fleiß eben so sehr aus, als durch sein liebreiches Wesen und seine Wohlthätigkeit.
Die Sache hing so zusammen:
Als William einige Tage nach seiner Rückkehr seine Sachen vom Bord des Paquetboots geholt hatte – auch den Lori vergaß er nicht – fiel ihm das Päckchen in die Hände, das der gute Holländer am Vorgebirge der guten Hoffnung ihm beim Abschiede in die Hand gedrückt hatte, und das bis dahin uneröffnet geblieben war. Jetzt öffnete er es und fand, zu seiner nicht geringen Ueberraschung, eine Rolle blanker Louis'dors, fünfzig an der Zahl, darin. Zitternd vor Freude brachte er der Mutter seinen Schatz und erzählte ihr zugleich, wie er dazu gekommen.
– »Das Geld,« sagte die fromme und verständige Mutter, »mußt Du im Handel anlegen: es wird dir Segen bringen, da du es durch deine Rechtschaffenheit erwarbst. Meine Lage in diesem Hause ist zwar nicht glänzend, aber Herr Berger behandelt mich anständig und hat Vertrauen zu mir; so kann ich es schon noch eine Weile bei ihm aushalten; segnet aber Gott deine Geschäfte, dann ziehe ich zu dir.«
Und Gott segnete das Geschäft des guten, redlichen Williams. Schon nach einem Jahre hatte sich sein kleines Kapital verdoppelt, und, wie schon angedeutet worden, nach etwa zehn Jahren war er ein reicher, reicher Mann, hatte ein großes Haus, eine liebenswürdige tugendhafte Frau und ein Häuflein hoffnungsvoller Kinder.
Die Mutter und sein Kolbi, der indeß von geschickten Lehrern unterrichtet worden war, wohnten bei ihm und letzterer war sogar sein Compagnon geworden.
Oft, wenn die Freunde in traulichen Gesprächen ihrer Vergangenheit und wunderbaren Lebensschicksale gedachten, sagte William: