– »Fritz! Fritz!« rief William mit lauter Stimme und stürzte auf seinen Jugendgespielen und Schulgenossen zu.
Dieser erkannte ihn nicht sogleich. William war seit ihrer Trennung um vier Jahre älter geworden und von der südlichen Sonne so gebräunt, daß er weit eher einem Mulatten, als einem Europäer ähnlich sah.
– »Erkennst du mich denn nicht mehr, Fritz?« fragte ihn William mit traurigem Tone; »erkennst du deinen Freund William Robinson nicht mehr?« fügte er hinzu.
– »Mein Gott! Du!« rief dieser jetzt, indem er ihm in die Arme stürzte. »Du lebst, William? Wie wird sich deine Mutter freuen, die dich als todt beweinte!«
– »So lebt sie doch noch?« rief William, und ein Strom von Freudenthränen schoß ihm über die Wangen. »O Gott, mein guter gnädiger Gott, wie danke ich Dir!« sagte er, die Hände zum Himmel emporstreckend. Viel hätte nicht gefehlt, so wäre er auf der offenen Gasse auf seine Kniee niedergesunken, um seinem himmlischen Vater für die ihm erzeigte große Gnade zu danken.
– »O, führe mich zu meiner Mutter!« rief er dann, die beiden Hände seines Jugendfreundes erfassend, »führe mich auf der Stelle zu ihr: mein Herz droht vor Sehnsucht nach der Geliebten zu zerspringen!«
– »Gemach, mein Freund,« antwortete ihm der besonnene Freund; »Du darfst so unerwartet nicht zu ihr eintreten: Die Ueberraschung könnte sie vielleicht gar tödten. Tritt erst in unser Haus und warte, bis ich zurückkomme. Sie wohnt da drüben, in dem großen Fruchtlager; ich gehe zu ihr, um sie vorsichtig auf die Freude vorzubereiten, die ihrer harrt; denn sonst könnte leicht aus dem Glück ein Unglück entstehen.«
William fand das, was Fritz sagte, vernünftig und trat mit seinem Kolbi in das Haus, während Fritz zu der Frau Robinson hinübersprang, um sie vorzubereiten. Er machte seine Sache sehr geschickt. Erst sagte er ihr, daß man glaube, das schöne Schiff, die »Hoffnung«, sei doch nicht untergegangen, wie man so lange gewähnt; dann ging er weiter und immer weiter und endlich trat er mit der vollen, glücklichen Wahrheit hervor. Trotz der gebrauchten Vorsicht war die zärtliche Mutter doch fast einer Ohnmacht nahe, als er ihr die Versicherung gab, daß ihr William lebe und nur wenige Schritte von ihr entfernt, in seinem Hause sei. Als sie sich einigermaßen von ihrem freudigen Schrecken erholt hatte, ließ sie sich nicht länger halten; sie stürzte fort, dem Hause von Fritzens Eltern zu und lag, halb todt vor Uebermaaß an Freude, in den Armen des so lange als todt beweinten Sohnes.
Welche Feder wäre wohl im Stande, dieses Wiedersehen zu schildern? Die meine ist zu schwach dazu und ich muß es Euch, meine Geliebten, überlassen, Euch selbst alle die nun folgenden rührenden Scenen auszumalen.
Als der erste Sturm der Empfindung sich in Etwas gelegt hatte, ergriff William die Hand seines Kolbi und führte ihn mit den Worten zu seiner Mutter: