PHEDROS: Nein, glaub' mir, Lieber: Der König Candaules ist weiser als Du zugibst. Es ist eine große Weisheit, sich für glücklich zu halten.
SIMMIAS: Ist er denn wirklich glücklich, oder scheint er es bloß?
PHEDROS: Noch mehr Weisheit braucht es dazu, glücklich zu scheinen.
PHILEBOS: Sich glücklich glauben, ist mehr wert, als es zu sein suchen.
PHEDROS: Trotz aller seiner Schätze, weiß er doch den Wert der Freundschaft. Er weiß, sie ist nicht mit Gold zu kaufen. So macht er sich wenig aus der Freundschaft seiner Schmeichler und schätzt nach ihrem Preis ihre Worte, und bezahlt er sie, so tut er's ohne Glauben. Mehr noch – ich sah ihn gegen nichts sonst aufgebracht, als gegen diese süßen Worte.
PHILEBOS: Wenn eines noch sein Glück beunruhigt, ist es dies, um sich und eben wegen seines Reichtums nur Höflinge zu spüren – und nicht einen Freund.
SIMMIAS: Er hat seine Frau.
PHILEBOS: Die Frau – der Freund ist nicht dasselbe.
SIMMIAS: Man sagt, er liebe sie leidenschaftlich.
PHEDROS: Da tut er recht.