ARCHELAOS (zu Pharnaces): So sprich doch was!
PHARNACES (halblaut): Ich weiß nicht, was sagen, als daß die Königin sehr schön ist.
ARCHELAOS (zu Philebos): Sprich Du …
PHILEBOS (macht eine stumme Geste).
DIE KÖNIGIN: Wie das? Ihr schweigt – ist's meinetwegen? Wie groß auch mein Vergnügen sei, dem, was Candaules will, zu dienen und ich mich, wie ich's tat, an diese Tafel setzte – könnt' ich denken, daß ich die Festfreude nur in Etwas störte, so stünde ich wohl gleich auf und ginge wieder, denn die laute Freude ist besser hier am Platze als die Königin.
NICOMEDES: Nichts wag' ich sonst der Königin zu sagen, als dieses, daß es die ungewohnte Schönheit ihres Angesichts, die jeden von uns so sehr in Staunen setzt, daß unser Schweigen nichts anderes ist als stumm schauende Bewunderung.
CANDAULES: Laß, Nicomedes! Das ists gerade, was die Königin nicht wollte und fürchtete: daß man sie preist. – Nyssia, ich bitt' Euch, antwortet ihnen. Wacht Ihr mir darüber nicht, passiert's den Herren, daß sie dem Feste nichts sonst bieten als ein langweiliges Hin und Her von wohlgesetzten Komplimenten und Worten ohne Witz und Laune. Wohl macht das Ungewohnte Eurer Gegenwart so sie leicht gezwungen, ängstlich. Doch glaubt mir, sonst wissen sie wohl bessere Worte, leichtere Rede. Mög' Euer Witz ihnen gnädig zuhülfe kommen, das Übel heilen, das Eure Schönheit ihnen antat … wir wollen ein Fest begehen.
DIE KÖNIGIN: Ist wirklich mein Gesicht die Schuld daran, mein hoher Herr, ist's leicht zu machen, daß es nicht mehr schade. Erlaubt, daß ich vor seiner Röte einen Schleier lege, den ich nur gezwungen hob, vor Andern als vor Euch.
CANDAULES (erregt): Nein, Nyssia, nein … noch solche Worte mehr und unser Fest ist ohne Freude. Schlag' den Schleier zurück, Nyssia. Und wir, Ihr Herren, wir trinken den ersten Becher auf die Freude! Die Freude dieses Festes schläft noch, auf! Der Lärm der Stimmen soll sie wecken! – (Bewegung.) Nyssia! – trink auch, Nyssia!