SYPHAX: Sprech ich im Namen Aller?
EINIGE: Sprich, Syphax, sprich zu!
CANDAULES: Füll' erst Deinen Becher wieder.
SYPHAX: Im Namen von Candaules' Freunden bringe ich dies der vollendeten Schönheit von Nyssia, Candaules Weib …
CANDAULES: Laß, Syphax!…
SYPHAX: Und dem Candaules, der ein so seltenes Gut sein Eigen nennt und, statt es zu verbergen und für sich allein zu halten, erlaubt, daß unsere ehrfurchtsvollen und entzückten Blicke sich dran berauschen.
EINIGE (heben ihren Becher): Gut! Gut gesagt, Syphax! Es lebe Candaules!
CANDAULES: Nicht doch, meine Werten! Ihr sollt mir es nicht danken, daß ich diesem Feste die Schönheit der Königin gewähre. Wahrhaftig: ich litt zu sehr daran, sie nur allein zu kennen. Je mehr mein Staunen vor ihr wuchs, so mehr fühlte ich auch, wie ich Euch Alle darum beraube. Wie ein habsüchtiger Wuch'rer kam ich mir vor, der ohne Recht das Licht zurückhält.
PHARNACES: Ohne Recht, Candaules? Ist es nicht Recht, daß jeder sein Gut verwendet, wie es ihm beliebt?
CANDAULES: Vielleicht, – doch war mir, als täte ich Diebstahl an dem Gut, mit dem ich ganz allein zur Freude war.