PHILEBOS: Weshalb, Candaules? Ich glaube, nichts weiter ist's als solcher doppelsinniger Worte Spiel, wie sie im Brauche der Orakel. Was sie Geheimnisvolles haben, ist nur der Glaube, den man ihnen gibt. Mit vieler Mühe findet man am Ende nichts weiter in dem Rätsel als eine ganz gemeine Alltagswahrheit.

PHARNACES: Und öfter noch findet man überhaupt nichts.

CANDAULES: So meint Ihr, die Worte wollen fast nichts sagen?

PHILEBOS: «Ich verberge das Glück» –? Nein … nichts.

CANDAULES: So besser so. Ich hätte mich davon beunruhigen lassen.

NICOMEDES: Und dann, wenn Worte dieser Art schon einem nüchternen Menschen widerspenstig scheinen, sind wir, der eine nicht und nicht der andere, glaub' ich, jetzt im Stand, das Rätsel zu lösen.

SYPHAX: Du hast recht, Nicomedes! Trinken wir kurz und gut auf das Glück des Candaules. Er macht es dem Ring nicht nach, er verbirgt sein Glück nicht, im Gegenteil! –

PHARNACES (erhebt sich, um mit den Anderen anzustoßen): Es lebe Candaules, der glücklichste Mensch der Erde!

CANDAULES (schlägt mit der Faust heftig auf den Tisch): Was! Mein Glück! Was wißt ihr von meinem Glück!? Was!

PHEDROS: Nichts, Candaules.