CANDAULES (zu Phedros): Und dann – was liegt mir, mir am Glück? Nicht wahr, 's ist nur des Armen würdig, sich zu beschäftigen mit dem Glücklichsein. Sag, verstehst Du mich, Phedros? Und Deine Weisheit, unterschreibt sie, was ich nur Dir sagen kann? Jedes neue Gut, das man besitzt, es schleppt sein neues Verlangen nach, es zu probieren, es zu wagen … Und Besitzen, das ist für mich Versuchen, Wagen. (Er schlägt mit seinem Becher auf den Tisch und hört auf den Ton.) Warum sagst Du nichts, Phedros? Hast Du nichts getrunken? Phedros, ist Dein Glück denn in der Ruhe? Hab' ich mehr Weisheit, als Du Philosoph, um zu verstehen, daß, nur wo das Leben überfließt, das Glück ist? O Phedros! Für mehr Glück und mehr Leben verbraucht sich der Mensch, wenn er arm ist, im Verlangen – das ist die eine Art, verstehst Du? Aber nichts verlangen, nein: Arbeiten für das, was man verlangt. Und wenn man es hat, es wagen. Verstehst Du. Das Glück auf's Spiel setzen – das ist die andere Art, die Art der Reichen. Das ist die meine. Ich bin so reich, Phedros, und des Lebens so voll …

SIMMIAS: Wäre Dein Glück eine Freundschaft, Du sprächst nicht davon, mit diesem Glück zu spielen, Candaules: aber eine Freundschaft, das ist es, was Dir fehlt.

CANDAULES: Du hast recht. Um wieviel Schätze, schöner Simmias, kaufte ich nicht die Deine!

DER KOCH (kommt mit Gyges, von links.)

DER KOCH: König, hier ist der Fischer.

CANDAULES (von der rechten Seite des Tisches, wo er sich niedergelassen): Also Du bist Gyges?

GYGES: Ja, ich bin Gyges, König Candaules.

CANDAULES: Gyges, der Fischer.

GYGES: Ja, Gyges der Fischer.

CANDAULES: Gyges, der Arme.