CANDAULES: Ja, Gyges; und der es von Dir nimmt, bin ich, Dein Herr.

GYGES: Ich bin nicht Dein Knecht, o König.

CANDAULES: Das sagst Du gut. Ihr hörtet es, Philebos und Phedros. Nein, Du bist mein Knecht nicht, Gyges, und ich bin nicht Dein Herr; Dein Freund! (Zu den Dienern) Man richte im Palast ein Gemach für ihn. – Die Tafel ist aufgehoben, meine Herren. Heute wird wohl keiner mehr trinken wollen.

Vorhang schnell.

ZWEITER AKT

Die Szene ist ein Gemach im Palaste, offen nach links und da von einer Terrasse abgeschlossen, auf der Musikanten ihren Platz haben. CANDAULES und GYGES sitzen noch beim Schluß eines Mahles, fast ausgestreckt auf niedrigen Stühlen. GYGES ist glänzend gekleidet. Die Musikanten spielen.

Erste Szene.

CANDAULES: Nun quält mich die Musik. Hört auf! Gyges weiß nun, was ihr könnt. Jede Regung hat nichts sonst Köstliches als ihre Überraschung. Unsere Freude gleicht dem beweglichen Wasser des Stromes – es dankt die Frische seiner währenden Flucht. (Zu den Musikanten.) Geht und zerstreut die Gäste in den Gärten. Entschuldigt mich bei ihnen. Und daß ich später in der Nacht noch komme. Versucht mit Eurem leichten Spiel, sie wach zu halten. (Die Musikanten ab.) Deckt ab! (Die Diener beeilen sich damit.) Den süßen Wein laßt da … Vielleicht trinkt Gyges noch davon … Gib Deinen Becher, Gyges. – Er kommt von Cypern. – Liebst Du ihn? (Zu den Dienern, die abseits stehen.) Bringt uns bald Licht. Der Abend schließt sich. Geht! (Die Diener ab. Candaules rückt Gyges näher.) Freund Gyges! So mußtest Du, wenn Dir das Meer nicht gnädig war, hungrig zu Bett.

GYGES: Ja, Candaules. Es gibt in Deinen Ländern mehr als einen Armen, der öfter als an einem Abend ohne Mahl sein Lager aufsucht.

CANDAULES: Das hätt' ich früher wissen mögen.