GYGES: Wozu?
CANDAULES: Vielleicht – um mich darum zu kümmern.
GYGES: Um Dein Glück Dir zu verderben?…
CANDAULES: Nein, nein – mein Glück hätte das Elend besiegt … Ich glaubte es so groß, so strahlend groß, daß neben ihm nichts Armes möglich wäre.
GYGES: Was Du für mich getan, das hättest Du so auch getan, so ohne mich zu kennen?
CANDAULES: Selbst ohne Dich zu kennen, ja, wahrhaftig.
GYGES (wendet sich traurig ab): So siehst Du, daß Freundschaft zwischen uns nicht sein kann.
CANDAULES: Weshalb denn? Sag!
GYGES: Was Du für mich getan, das tatest Du aus Mitleid. Man hat nicht Freundschaft, man hat nur Mitleid mit den Armen.
CANDAULES: Arm! Bist Du's denn noch? Steh' auf und sieh Dich an! Dein Kleid ist doch ein anderes. Glänzender Gyges, wer wollte Dir jetzt wohl sein Mitleid schenken? (Gyges hat sich erhoben, er betrachtet sein kostbares Gewand, doch sieht bekümmert und wendet sich von Candaules.) Nimm diese Kette … (Er nimmt eine seiner Halsketten ab und will sie Gyges umhängen, der abwehrt.) Ich will es. (Gyges trägt nun die Kette und setzt sich wieder. Candaules neben ihm, eindringlich): Glaubst Du mich reich?