GYGES: Ich dachte, die Freundschaft, die Du wolltest, war nicht die Deines Reichtumes, aber Deiner selbst …
CANDAULES: Laß Deinen Spott, Gyges. Und wehr' Dich nicht gegen das Glück. Was liegt daran, daß Einer gibt, der Andere nimmt, wo Beide sich desselben Gutes freuen? Hör': Unmut und Kummer ist in mir, so lang' Du nicht die ganze Fülle meines Reichtums kennst.
GYGES: Viel besitzt Du, dessen Namen nichts für mich bedeutet. Was nanntest Du mir alle Deine Schätze? Wie sie schmecken, läßt sich das denken? Was man nicht haben kann, ist besser, nicht daran zu denken.
CANDAULES: Aber ich geb' Dir alles das … Alles … Alles … O Gyges, zu lang unglücklicher Gyges. Ich möchte heut' Dein Glück größer als je Dein Unglück groß war und Dein Schmerz. (Die Diener bringen Fackeln und gehen ab. Schweigen.) An was denkt mein Freund?… Um diese Stunde, was tat er gestern? Müde von der bittern Welle, trauriger Fischer
GYGES (unterbrechend): Kam er in seine Hütte, wo Trydo ihn erwartete.
CANDAULES: Trydo … ja – Du trauerst um sie! Armer Gyges … Komm zu mir, sag – Du liebtest sie? (Gyges schweigt.) Hast Du für mich nur eine Freundschaft, die kein Vertrauen kennt? – Mein Freund Gyges, sag, sprich doch … Du liebtest sie? – Gyges?
GYGES (legt den Kopf in die Hände und bebt): Die Winternächte war sie warm in meinem Bett … Ich sagte zu ihr: Trydo; und sie sprach: Meister. – Ich glaubte, sie liebte mich, und ich war glücklich.
CANDAULES: Armer Gyges! (Er hat sich erhoben, geht langsam den Saal nach rückwärts, leise.) Was flüsterst Du mir da zu, unruhiger Gedanke? (Er löscht entschlossen einige Fackeln; dann wendet er sich, noch immer rückwärts, zu Gyges.) Gyges – weißt Du, weshalb mich die Liebe zu Dir faßte? – Du allein hast die Schönheit der Königin verstanden … Bevor Du sie sahest, konntest Du glauben, Dein Weib sei schön … Aber ich weiß es, kaum daß Du Nyssia sahest, da schien Dir auch Trydo nicht mehr schön. (Er kommt Gyges näher.) Deshalb … hast Du sie getötet, nicht wahr, Gyges?
GYGES: Wie kannst Du das denken, o König!
CANDAULES: Fing ich Dich, Gyges?