GYGES: So wahr ich an Gott glaube, dies ist nicht so.

CANDAULES (nimmt wieder sein Gehen auf): Du glaubst an Gott?

GYGES: Ich glaube.

CANDAULES: Ich nicht viel. – Einfach Du selber kannst Du auch nur Einfaches denken, ich aber … (leise) lauter, sprich lauter, mein jüngster Gedanke! Wohin willst Du mich führen? Herrlicher Candaules … (Er schreitet im Gemach, löscht wieder eine Fackel, dann zu Gyges gewandt.) Also wirklich deshalb, weil … So war es Dir so arg, zu wissen, daß Dein Weib nicht Dir allein gehörte?

GYGES: Dafür hab' ich sie getötet – und weil ich den Andern nicht töten konnte.

CANDAULES: Stolzer Gyges!… Sonderbar … muß man so wenig sein Eigen nennen, um es so für sich allein zu wollen?… Aber – wenn der Andere Dein Freund gewesen wäre?

GYGES: O König, wie könnte ein Freund daran denken, mich zu betrügen?

CANDAULES: Ja … aber, wenn er es täte, ohne Dich zu betrügen?

GYGES: Ich verstehe Dich nicht mehr, Candaules.

CANDAULES: … Also Du hast die Königin nicht gesehen?