GYGES: Ein wenig, ja … doch hab' ich sie nicht angesehen.

CANDAULES: Dann sahst Du sie nicht. – Man kann den Blick nicht von ihr wenden, sieht man sie. (Leiser.) Sie weiß das. Sie will nicht mehr, daß man sie sieht. – Sie sagte zu mir: Dies erste Mal, daß ich mich zeige, sei auch das letzte Mal. (Noch näher zu Gyges und noch leiser.) Gyges … willst Du sie sehn, die Königin?

GYGES (erhebt sich, wie ermüdet): Nun bin ich müde, laß mich gehn.

CANDAULES (hält ihn am Gewand zurück): Gyges … verlangt es Dich, die Königin zu sehn?

GYGES (macht sich los): Nein.

CANDAULES: Gyges, ich will Dir Nyssia zeigen.

GYGES (wendet sich heftig zu Candaules): Aber ich will sie nicht sehn.

CANDAULES (leise): Ach! Wenn Du sie angesehen hättest …!

GYGES: Liebst Du sie denn nicht?

CANDAULES: Oh – mehr als mich selbst! Sie dürfte es auch nicht wissen … Und wie sie mich liebt …! Das soll Dir ihre Schönheit sagen – doch hör's ganz leise: (Er neigt sich Gyges ans Ohr.) Niemals, niemals hab' ich nach anderen Frauen begehrt … Ihr Antlitz, was ist ihr Antlitz … Wenn Du wüßtest, Gyges!… Und ihre Wollust … Und wenn Du sie da hörtest … Ich leide, hör' ich ein andres Weib loben und sag' zu mir: das ist nur, weil sie Nyssia nicht kennen. – Gyges … willst Du Nyssia kennen?