GYGES (besieht furchtsam den Ring und wagt es, ihn an den Finger zu stecken.)
CANDAULES: Wunder! Ein Traum entflieht nicht schneller den Augen des aufgewachten Schläfers … Geheimnisvoller Ring, verschwunden mit dem, den Du verschwinden läßt, schütze das Glück meines Freundes Gyges und verbirg es! – Bleib verborgen, Gyges!… Still! – Ich höre Nyssia! (Er wendet sich auf ungefähr gegen den Platz, auf dem er Gyges gelassen und der leer ist, da Gyges, wie erfüllt von Entsetzen, zurückgewichen) Bleib verborgen, Gyges. – Halt fest den Ring an Deinem Finger. Sei still! Sei wie die Luft unsichtbar. (Er löscht noch eine Fackel. Der Saal ist nur noch ganz schwach erleuchtet von einer Fackel und dem Dämmer der Nacht, der von der Terrasse kommt.) Seid Ihr es, Nyssia?
NYSSIA (draußen:) Geliebter?
CANDAULES: Kommt Ihr?
NYSSIA: Langsam. – Die Nacht ist schön … Komm, Candaules, sieh, was eine Süßigkeit hier draußen …
CANDAULES (horcht auf die Worte, bleibt unbeweglich, wie bebend in trauriger Lust … Wie zu sich spricht er und wie in Tränen): Nyssia? Meine Liebe – Nyssia, meine Geliebte! – Halte Dich, halte Dich, schwankender Gedanke!… Wein! Ist noch genug?… (Er trinkt.) Ich wurde schwach … (Dann – ins Unbestimmte, Leere.) Bleib' still! – Ich tu' Unsinniges …
Zweite Szene.
Nyssia kommt langsam, doch bleibt sie noch auf der Terrasse, die nur der Mond beleuchtet. Im Gemach selber nur eine Fackel. Ihr unsichtbar und instinktiv erschauert Gyges, da er Nyssia auf die Terrasse treten sieht; er geht ganz leise nach links und bleibt während der ganzen Szene halb im Dunkel verborgen. Candaules ist Nyssia entgegengegangen.
NYSSIA: Ich wär' schon lang bei Euch, doch glaubte ich Euch nicht allein. Es kam mir vor von Weitem, als hörte ich Euch sprechen.
CANDAULES: Ich sprach laut Verse von Syphax.