Nun wurde der Herr ganz zornig. Bogdán ließ ihn schreien, und starrte, wie hypnotisiert, auf den glänzenden Knauf hinüber. Erst als immer wieder der Name „Marcsa“ an sein Ohr schlug, wurde er wieder aufmerksam.
— Die Marcsa steht jetzt in meinem Dienst — hörte er den Herrn sagen, — Du weißt, ich kann dich gut leiden, Bogdán; ich will dich auch wieder bei den Pferden beschäftigen, wenn dir darum zu tun ist. Aber die Marcsa läßt du mir in Ruhe. Rauferein dulde ich nicht! Will sie dich noch heiraten, so ist’s mir sehr recht. Will sie aber nicht, dann läßt du sie zufrieden! Hör’ ich noch einmal, daß du ihr weh getan hast, dann jag’ ich dich zum Teufel, verstehst du mich?
Schäumend vor Wut legte Bogdán los:
— Zum Teufel? — schrie er biemend. — Der gnädige Herr will mich zum Teufel jagen? Gehen der gnädige Herr doch erst selber hinaus! Ich war schon beim Teufel! Ich bin acht Monate draußen gelegen in der Hölle. Da ist mein Gesicht, da können der gnädige Herr sehen, daß ich aus der Hölle komme. Hier den Beschützer spielen, sich die Taschen vollpfropfen, und die anderen sterben schicken, das ist bequem. Wer sich zu Hause herumdrückt, der sollte nicht andere zum Teufel schicken, die schon für ihn in der Hölle gewesen sind!
So maßlos war seine Wut, daß er wie der bucklige Sozi sprach, ohne sich zu schämen. Sprungbereit stand er da, mit straff gespannten Muskeln, wie ein wildes Tier. Er sah den Herrn mit verzerrtem Gesicht auf sich losstürzen, den Reitstock durch die Lust flitzen, — sah ihn auch niedersausen, aber den Schlag, der hart und scharf seinen Rücken traf, fühlte er nicht mehr.
Mit einem Satz riß er den Hirschfänger aus der Scheide, und stieß ihn dem Herrn zwischen die Rippen. Nicht etwa weit ausholend, daß ihm jemand noch hätte in den Arm fallen können. Oh nein! Ganz leicht, von unten her, mit einem kurzen Ruck, genau wie er es im Felde erlernt hatte. Der Hirschfänger war nicht schlechter als sein Bajonett; er lief nur so ins Fleisch hinein.
Dann kam alles genau wie immer. Johann Bogdán stand mit vorgepralltem Kinn, sah das zornentstellte Gesicht des gnädigen Herrn jäh sich glätten, ganz weich und ruhig werden, wie ausgebügelt. Er sah seine Augen sich weiten, — sah ihn erstaunt herüberschauen, genau wie ein getroffener Ruß, — mit der vorwurfsvollen Frage im Blick: „Was machst du denn?“ Nur das Niedersinken konnte er nicht mehr sehen, denn ein mächtiger Schlag traf ihn von irgendwoher auf den Hinterkopf, krachend, als stürzte aus unendlicher Höhe ein Wasserfall zermalmend auf ihn herab. Eine Sekunde lang sah er noch das Gesicht der Marcsa, umrahmt von einem flammenden Rad, dann fiel er mit gespaltenem Schädel auf seinen Herrn, der schon zuckend auf der Erde lag.