Johann Bogdán war’s, als fiele ein roter Vorhang, aus Feuer gewoben, vor seine Augen. Der Herr? . . . . Was sprach sie vom Herrn? . . . . Er dachte an den Buckligen, und fühlte mit einem Schlag, daß der Hallunke nicht gelogen hatte. Wie eine glühende Zange umklammerten seine Finger ihr Handgelenk, daß sie aufschrie vor Schmerz.

— Der Herr? — . . . . brüllte Bogdán, — was hat der gnädige Herr zwischen dir und mir zu suchen? Ja oder nein? Antwort will ich! Der Herr hat da nichts zu schaffen, zwischen uns.

Marcsa richtete sich auf. Mit einemmal kam eine merkwürdige Sicherheit über sie. Ihre Wangen bekamen wieder Farbe, ihre Augen funkelten stolz. Hochmütig, wie er sie immer gekannt, stand sie da, den Kopf herausfordernd in den Nacken geworfen.

Bogdán sah die Änderung, sah, daß ihr Blick über seine Schultern hinwegging, ließ sie fahren, und wandte sich blitzschnell um. Es war so, wie er sich’s gedacht hatte: aus dem Maschinenhause trat soeben der gnädige Herr, gefolgt vom alten Tóth, seinem Waldhüter. Wie eine Katze war die Marcsa vorbeigehuscht, stürzte zum Herrn hin, beugte sich nieder und küßte ihm die Hand.

Bogdán sah sie herankommen, zu dritt, senkte den Kopf, wie ein Widder zum Angriff. Eine entschlossene, kalte Ruhe stieg langsam in ihm hoch, wie im Schützengraben, wenn der Hornist zum Angriff blies. Er fühlte die Hand des gnädigen Herrn seine Schulter berühren, und wich einen Schritt zurück. Was sollte das alles? Der Herr sprach von Tapferkeit und Vaterland, lauter überflüssiges Zeug, das nichts mit der Marcsa zu schaffen hatte! Er ließ ihn sprechen, ließ die Worte auf sich niederprasseln, wie Regen, ohne sich um ihren Sinn zu kümmern. Sein Blick irrte unruhig hin und her, vom Herrn zur Marcsa und zum Waldhüter, bis er an etwas Glänzendem neugierig haften blieb.

Es war der vernickelte Knauf am Hirschfänger, den der alte Waldhüter an seiner Seite trug, der funkelnd die Sonne spiegelte.

— Wie ein Bajonett, — — dachte Bogdán; und der Einfall durchzuckte ihn, das Ding aus der Scheide zu reißen, und dem Luder, der Marcsa in den Leib zu rennen, bis zum Heft. Aber ihre runden Hüften, die bauschigen, bunten Röcke machten ihn irre. Mit Weibern hatte er im Krieg nie zu schaffen gehabt. Er konnte sich’s nicht recht vorstellen, wie das wäre, wenn man da hineinstieße. Sein Blick glitt auf den Herrn zurück, und nun bemerkte er, daß er ihn in Harnisch gebracht hatte, mit seinem verstockten, trotzigen Schweigen.

— Er fletscht die Zähne, — fiel ihm ein, — genau wie der lange Ruß! — Und er lächelte fast bei der Vorstellung, wie auch der gnädige Herr gleich ein glattes Gesicht bekäme, und erstaunt, fragende Augen. Sprach er da nicht gerade von der Marcsa? Was ging ihn die an?

Trotzig richtete sich Bogdán auf.

— Mit der Marcsa ordne ich mir meine Angelegenheit schon selbst, gnädiger Herr. Das ist eine Sache zwischen ihr und mir, — sagte er heiser, und sah dem Herrn fest ins Gesicht. Der hatte noch seinen Schnurrbart! Rechts und links ganz gleich, und fein hochgezwirbelt. Wie hatte der Bucklige gesagt? „Der Eine geht hinaus und laßt sich den Kopf kaputschlagen.“ — Er war eigentlich gar nicht so dumm, der Bucklige.