Man berechnete sorgfältig den Reichtum berühmter Ärzte und verglich damit die Einkünfte deutscher Dichter, die, wenn sie auch den größten Ruhm sich erworben, dennoch in einer Lage waren, welche man wahrhaft ärmlich nennen konnte.
Auch fürchtete man, daß die Erwartungen, die Schiller durch sein erstes Schauspiel erregt, viel zu groß wären, als daß er dieselben durch nachfolgende Werke befriedigen oder seine Kräfte in gleicher Höhe erhalten könnte.
Der einzige, aber auch sehr warme Verteidiger unseres Dichters war Iffland, der, den Beruf zum Schauspieler in sich fühlend, in noch jungen Jahren bloß mit etlichen Talern in der Tasche und nur mit den am Leibe tragenden Kleidungsstücken versehen, seinem wohlhabenden Vater entfloh, um sich zu Ekhof zu begeben und in dessen Schule zu bilden. Iffland allein wußte die Lage Schillers gehörig zu würdigen, indem er aus eigner Erfahrung beurteilen konnte, wie unerträglich es ist, ein hervorstechendes, angebornes Talent unterdrücken, die herrlichsten Gaben vermodern lassen zu müssen und nur das gemeine Alltägliche tun zu sollen, oder gar durch Zwang zu dessen Ausübung angehalten zu werden. Nicht nur gab er dem mutigen Entschlusse Schillers seinen völligen Beifall, sondern machte auch mit dem ihm reichlich zu Gebote stehenden Witze den Kleinmut derer lächerlich, die es für ein Unglück halten, einige Meilen zu Fuß reisen zu müssen oder zur gewohnten Stunde keinen wohlbesetzten Tisch zu finden. Seine treffenden Bemerkungen ließen die Verhältnisse des Dichters in einem mehr heiteren Lichte erscheinen. Vorläufig konnte man sich insofern beruhigen, als er doch auf einige Zeit wenigstens gegen Mangel oder Verfolgungen gesichert war.
Nur wurde nicht mit Unrecht bezweifelt, ob seine dramatischen Arbeiten in gänzlicher Abgeschiedenheit gefördert werden könnten, oder ob sein Geist, von allem erheiternden Umgang abgeschnitten und bei Entbehrung der nötigen Bücher, nicht in kurzer Zeit abgestumpft würde. Sein tiefes Gefühl, seine frische, jugendliche Kraft ließen letzteres zwar nicht so bald befürchten; indessen vereinigten sich doch alle Wünsche dahin, daß ein glücklicher Zufall eintreten und für ihn die günstigsten Umstände herbeiführen möchte.
Seine Freunde waren auf die Nachrichten von seiner Ankunft sehr gespannt und wurden durch nachstehenden Brief an S. vollkommen beruhigt.
Bauerbach, den 8. Dezember 1782.
Liebster Freund!
Endlich bin ich hier, glücklich und vergnügt, daß ich einmal am Ufer bin. Ich traf alles noch über meine Wünsche; keine Bedürfnisse ängstigen mich mehr, kein Querstrich von außen soll meine dichterischen Träume, meine idealischen Täuschungen stören.
Das Haus meiner Wolzogen ist ein recht hübsches und artiges Gebäude, wo ich die Stadt gar nicht vermisse. Ich habe alle Bequemlichkeit, Kost, Bedienung, Wäsche, Feuerung, und alle diese Sachen werden von den Leuten des Dorfes auf das vollkommenste und willigste besorgt. Ich kam abends hieher – Sie müssen wissen, daß es von Frankfurt aus 45 Stunden hieher war – zeigte meine Briefe auf und wurde feierlich in die Wohnung der Herrschaft abgeholt, wo man alles aufgeputzt, eingeheizt und schon Betten hergeschafft hatte. Gegenwärtig kann und will ich keine Bekanntschaften machen, weil ich entsetzlich viel zu arbeiten habe. Die Ostermesse mag sich Angst darauf sein lassen.