Alexander Iwanowitsch fühlte sich immer unbehaglicher; es fröstelte ihn; besonders widerlich war es ihm, einen Hinweis auf die von ihm längst überwundene Theorie zu hören; er hat diese Theorie längst als krankhaft erkannt und verworfen; und nun jetzt, wo er sich wieder krank fühlt, tritt sie ihm in so widerlicher Form entgegen.
»Also, wo bin ich? Ja, die Papuas: die Papuas sind, sozusagen, erdgeborene Wesen; die Biologie der Papuas, so primitiv sie auch ist, dürfte Ihnen, Alexander Iwanowitsch, nicht unbekannt sein. Mit einem Papua können Sie schließlich und endlich sich irgendwie noch immer verständigen; sagen wir zum Beispiel etwa mit Hilfe des Schnapses; und dann: selbst in Papuasien gibt es Rechtsinstitutionen, die unter Kontrolle des papuasischen Parlaments stehen . . .«
Alexander Iwanowitsch fiel das höchst befremdende Benehmen seines Gastes auf, dessen Stimme sich plötzlich in höchst unpassender Weise von ihm gelöst hatte; und überhaupt verwandelte sich der unbeweglich auf dem Fensterbrett sitzende Gast (oder betrogen ihn etwa seine Augen?) ganz deutlich in einen Rußfleck auf der mondbelichteten Fensterscheibe, während seine Stimme, immer lauter werdend, den krächzenden Ton eines Grammophons annahm, der Alexander Iwanowitsch unmittelbar ins Ohr hineintrommelte.
»Der Petersburger Schatten aber ist nicht einmal ein Papua; die Biologie der Schatten ist noch nicht erforscht. Sie werden sich nie mit dem Schatten verständigen können, seine Forderungen nie verstehen lernen; sobald Sie Petersburger Boden betreten, schlüpft der Schatten in Sie zugleich mit allen möglichen Krankheitsbazillen hinein, die Sie mit dem Wasser aus den Leitungen hinunterschlucken . . .«
Vom Mond beschienen und mit phosphoreszierenden Flecken überdeckt, saß er auf seinem schmutzigen Lager und ruhte von den Angstanfällen aus; da, hier war sein Gast gesessen: der war jetzt nicht mehr da. Diese Angstanfälle! Drei-, vier-, fünfmal während einer Nacht; den Halluzinationen folgten klare Augenblicke.
Jetzt war sein Bewußtsein klarer wie der Mond dort hoch vor den seitwärts dahinziehenden Wolken; und wie der Mond schien das Bewußtsein hell und belichtete die Seele, wie der Mond die labyrinthartigen Straßenprospekte. Weit nach hinten und nach vorn belichtete das Bewußtsein die kosmischen Zeiten und die kosmischen Fernen.
In jenen Fernen gab es nichts: keine Menschen, keine Schatten.
Und — leer waren die Fernen.
In seinen vier einander perpendikulären Wänden kam er sich selbst wie ein in den kosmischen Räumen eingeschlossener Gefangener vor; ein Gefangener, der — freier ist als alle anderen Menschen, für den der winzige Raum zwischen den vier schmalen Wänden dem ganzen Raum des Alls gleicht.