Nikolai Apollonowitsch hörte jetzt tatsächlich zu.
Hier aber schwieg plötzlich der Unbekannte. Denn Nikolai Apollonowitsch hatte den Schreibtisch abgesperrt und wandte sich um.
»Wissen Sie: ich wollte Sie schon längst einmal sehen, um mich einmal vor Ihnen auszusprechen: ich sehe so wenige. Ich wollte Ihnen von mir erzählen.«
»Von wem? . . . Aber warten Sie, warten Sie: ich habe einen Kognak im Schränkchen — mögen Sie . . .«
»Nicht abgeneigt . . .«
Bald erschien vor dem Gast eine kleine Karaffe und zwei geschliffene Weingläschen.
Während er dem Gast das Glas füllte, dachte Nikolai Apollonowitsch daran, daß jetzt die beste Gelegenheit sei, sich von dem damaligen Versprechen loszusagen; als er aber diesen Gedanken in Worte einkleiden wollte — wurde er verlegen; aus Feigheit vermochte er es nicht, sich vor einem Fremden feige zu zeigen.
»Ich lese jetzt Conan Doyle zur Erholung,« fuhr der Unbekannte zu prasseln fort, »Meine Lektüre würde Ihnen überhaupt sehr verrückt erscheinen: ich lese die Geschichte des Gnostizismus, Gr. Nissk., den Syrianer, den Apokalypsis. Das ist, wissen Sie, mein Privileg. Die Originalität meiner geistigen Nahrung kommt von denselben Sonderstellungen. Ich bin ein revolutionärer Snob, wie es militärische Snobs gibt, die sich den Georgsorden verdient haben: einem alten Kriegsmann mit Verdiensten verzeiht man manches.«
Der Unbekannte wurde nachdenklich, dann füllte er sein Gläschen, trank es aus, um es von neuem zu füllen.
»Und warum sollte ich auch nicht nach meinem Eigenen, Persönlichen suchen: Ich privatisiere auch so zwischen vier gelben Wänden.«