90.
Es weckt Vertraun, ist wie ein Pfand,
Das Zweifel will beschwicht’gen.
Es wecket Irrtum allerhand
Und fordert ein Bericht’gen.
Als ein verheißend Wort,
Wirkt’s lang oft fort, –
Versehen, Zufall ist’s,
Und man vergißt’s.
91.
Das Erdreich ist ihm untertan,
Doch braucht es seine Kraft zum Segen,
Friedfertig ziehend seine Bahn,
Des Landes Wohlfahrt nur zu pflegen.
Voll Kühnheit aber wird es gleich,
Sobald sein Führer ihm genommen,
Und tauscht die Lüfte sich zum Reich.
Du sinnst: wird es der Menschheit frommen?
Führers beraubt zum zweitenmal,
Erscheint es auf der Erde wieder.
Doch dann gehn mit ihm Schuld und Qual,
Denn Treu’ und Glauben tritt es nieder.
92.
Auf manchem Weg begleitet es die Frauen,
In Leid, Entsagung, in Glückseligkeit.
Mit Blüten hold geschmückt, magst du es schauen –
Die Nacht entsendet’s, daß es Dunkel breit’.
Das Zarte, Schutz verleiht’s oft nah und ferne,
Auch, sagt man, huldige es wohl dem Tanz.
Es schwebt und webt um Bergesgipfel gerne,
Muß es entschwinden auch im Sonnenglanz.
Ob der Natur, ob künstliches Gebilde,
Hast du’s vor Augen, trübet sich dein Blick.
Doch was vergangen, hütet’s sanft und milde,
Und stumm birgt’s uns das künftige Geschick.