Das Tor knarrte leise, als er es öffnete; und der Hund an der Kette hob den Kopf und spitzte die Ohren. Stephan nickte ihm beschwichtigend zu. Dann drängte er sich in die Scheune und konnte beinahe nicht hinein, so voll stak sie von oben bis unten mit schwerem ungedroschenem Korn. Wie eine Mauer erhob es sich links und rechts und knisterte dürr, als Stephan daran streifte ...
»... Weil ich frei sein will ...« sagte er noch einmal. Dann flackerte das Zündholz auf, und er hielt es unter die hängenden Halme. Eine Weile wartete er noch, um sich zu vergewissern, daß die Flamme faßte; dann ging er in das Haus zurück und läutete mit weitausholenden Schwingen die Alarmglocke. Und gleich darauf mischte sich in das Kreischen der Alarmglocke das langgezogene, wimmernde Heulen des Hundes. Da hörte Stephan zu läuten auf und befreite den Hund. Währenddem erschienen notdürftig angezogen Knechte und Mägde, die kopflos durcheinander fuhren und mit mächtigen Eimern zum Brunnen liefen. Aber Stephan schickte sie mit donnernder Stimme hinein in das Haus, ihre eigenen Sachen zu retten. Dann ging er in den Rinderstall und löste die eisernen Ringe von den Mauern, woran die Tiere gehalten waren. Mit gereiztem Gebrüll strömten sie ins Freie und rasten schweifschlagend aus dem Bereich der rauchgebeizten Luft. Beim Schweinestall entstand Verwirrung. An zwanzig bis dreißig kegelten, kugelten sie heraus, und einen Augenblick schien es, als liefen sie direkt in die Flammen. Dann aber erkannten sie die Gefahr und schossen nach unten. Die Hühner flogen kreischend in die Höhe, wußten nicht wo aus und ein und flatterten endlich mit den Funken in den Flügeln dem Walde zu.
Unterdessen hatte das Gesinde seine Habe gerettet.
Bündel um Bündel trugen sie hinunter auf die Wiese und legten sie zu Füßen des Kreuzes, das die Klausenbäuerin in jenem heißen Sommer hatte hinausschaffen lassen. Es war auch die höchste Zeit, denn klingend und krachend sank die Scheune zusammen und sandte aus ihrem geborstnen Leib einen riesigen, glühenden, schaumigen Strahl hinüber zum Hof. Und noch einen ... und noch einen ...
Stephan wußte jetzt, daß der Hof verloren war. Darum ließ er die Leute mit ihren Eimern gewähren und sah sich nach Maria um.
Sie stand beim Kreuz vollkommen untätig, die Augen auf die spritzenden Flammen gerichtet, die Finger ineinander, den Mund hilflos verzogen. Aber es rührte ihn nicht, und er empfand keine Scham über seine Tat. Erst als sie wild aufschluchzte und ihr Körper krampfhaft in seinen Armen zuckte, dachte er:
»Mein Gott ... es war ja ihr Heim.«
Er ließ sie ausweinen, und als sie endlich ruhiger wurde, sagte er so sanft und gut wie er nie geredet hatte:
»Höre, Maria, ... ich glaube nicht, daß etwas Lebendiges umgekommen ist, aber die Katze ... sag, hast du die Katze gesehen ...?«
Was er wollte, gelang ihm, denn Maria zwang ihre Gedanken und dachte an die Katze, die sie als braves Hausmütterchen immer gut gehalten hatte. Verstört und verweint, aber doch gefaßt, schaute sie suchend umher. Die Katze war aber nirgends zu sehen. Da fiel ihr denn ein, daß die Katze umgekommen sein müsse, weil sie ja immer in der Küche oben auf den Kacheln schlief und die Küchentüre sicher kein Mensch geöffnet hatte. Nun weinte sie abermals, doch jetzt weinte sie um die Katze; und Stephan fühlte, daß dieser neue Kummer, der sanft und harmlos war, den Schmerz von vorhin leise und unmerklich verdrängte. Da wurde er wieder froh und zuversichtlich, blieb aber voll Ernst und Schonung Maria gegenüber. Gerne hätte er ihr alles gesagt, aber er spürte, daß sie ihn jetzt im Angesichte des brennenden Hofes, der ihnen so lange Welt und Heimat war, nicht verstanden und ihm nicht verziehen hätte. Aber er ließ ihre Hände nicht los und führte sie herum, wie man Kinder führt. Aber immer so, daß sie den Hof im Rücken hatte ...