Aber es paßte keiner, und er warf sie endlich zornig auf den Tisch. Dann schlüpfte er wieder in sein Bauerngewand – kurze Joppe, kurze Hose – und machte sich mit einer trotzigen Falte zwischen den Brauen auf den Weg. Er war halt ein Bauer, und das wird sich nicht leugnen lassen, auch in Wien nicht. Aber wer weiß ...?
Fröhlich und sicher, immer nur des Augenblicks gedenkend, da Margarete ihre Wangen an seine Finger legte, ging er zwischen den steilaufsteigenden Wäldern dahin. Plötzlich aber blieb er stehen und spürte einen heftigen Schreck und konnte doch die Blicke nicht wenden von dem, was ihn so erschreckte.
Es waren unter Fichten und Lärchen drei ragende Türme mit leuchtenden goldenen Spitzen. Eine unendliche Bangigkeit überfiel ihn, und wie ein Wahnsinn erschien ihm, was er schon getan hatte und was er noch tun wollte. Seinen Hof hatte er angezündet, und ein feines Mädchen ging er freien ... er ein Bauer, im Bauerngewand ...
Zerknirscht und verzweifelt hockte er sich auf einen Stein und dachte an die Anzüge aus Innsbruck. Bald aber merkte er, daß es eine schmähliche Schwäche war, die ihn da im Angesicht der Villa überfallen hatte, und um sich Mut zu machen, langte er mit den Armen nach links und rechts und rupfte alle Blümlein aus der Erde, deren er habhaft werden konnte. Und weil das noch immer nichts half, er merkte es an dem Zittern seiner Knie, fing er zu singen an und sang:
| »Wenn der Müller fesch is' |
| Glei' trau' i' ma z'wetten |
| Paßta wia a Prinz |
| In de zwo goldnan Betten.« |
Das sang er drei- viermal hintereinander, und weil er glaubte, nun sei es genug, stand er auf. Aber seine Knie zitterten noch stärker als vorher. Da hockte er sich wieder auf den Stein und dachte nun wieder an die Anzüge aus Innsbruck. Und wie er noch so dachte, rauschte es plötzlich hinter ihm, und als er aufblickte, stand Margarete neben dem Stein. Aber nicht wie an jenem Abend im Feld, weich und verschwommen, beinahe unkenntlich unter einem Nebel, sondern deutlich und greifbar und untrüglich wahr. Nur der Schalk, der früher in ihren Augen spielte, war nicht da. Blaß und tiefernst war ihr liebes Gesicht, und in sein Herz quoll plötzliche Sorge. Er stand rasch auf, aber nun stand er sicher und fest, und der Mut, der ihm vorhin nicht kommen wollte, kam jetzt mit tausendfacher, todesverachtender Stärke ...
Und während er den Weg nach der Villa einschlug und Margarete sich gehorsam neben ihm hielt, sagte er:
»Ich weiß jetzt das Ende, Margarete. Soll ich es dir erzählen?«
Aber sie wurde nur noch blässer und schüttelte hastig den Kopf. »Nein ... nein ... ich weiß es ja schon ... nur von selbst hätte es kommen sollen ...« und weil sie sah, daß er jäh erblaßte, faßte sie schnell seine Hand ... »aber ich bin nicht böse ... nur stolz, daß du mich so liebst ...«
Darauf schwiegen sie.