»Dreißig ... Du bist eigentlich auch schon in den Jahren ... und der Müller hat drei Töchter. Die Älteste ist mager und bissig, die möchte ich dir nicht raten. Die zweite, glaube ich, ist schon versprochen. Aber die dritte ist lieb und gut und ging den weiten Weg, nur um dich zu sehen, als du damals kamst von Innsbruck ...«

»Das schon, Vater, aber ...«

»Darum meine ich, du sollst einmal hinübergehen und den Müller fragen, wieviel die große Wiese kostet, die er schon so lange feil hat ... und so im Gespräch, du weißt schon, wie ich meine ...«

»Ja, Vater, des Müllers Agnes ist lieb und gut, aber ich getraute mich doch nie um sie zu freien, denn die nimmt nur einen ganzen Mann.«

»So meinst du, Stephan, du seiest kein ganzer Mann?«

»Kein ganzer Bauer, Vater. Ich schäme mich immer, daß ich lesen und schreiben kann und die Berge ringsum beim Namen kenne. Kein richtiger Bauer kennt sie und kümmert sich darum.«

»Hm, hm, und trotzdem steht das Korn schöner als je ...«

»Das schon, Vater ... aber dafür verdiene ich kein Lob. Ich war nicht bei dem Säen ...«

»Da hast du recht ... aber denke nach, Stephan, hast du nicht heimlich in die Stadt um einen der neumodischen Samen geschrieben? Und in der Gartenecke, wo früher immer nur Brennesseln waren, ist jetzt ein ganzes Feld von großen, gelben Blumen ... die sind dort auch nicht aus freien Stücken gewachsen ...«

Da wurde Stephan rot, und als ob sein Vater wahrhaftig an seiner Seite schritte, wandte er den Kopf und sagte: