»O Vater, ich habe soviel Kummer deswegen gehabt, nicht der Blumen wegen. Die kosteten nicht viel, und ich dachte, wie sehr Maria sich freuen würde. Aber des Kornes wegen. Der Samen war nicht billig, und da dachte ich oft, ich sei ein schlechter Erbe, der das Geld der Klausen leichtsinnig vertut. Den ganzen Winter konnte ich nicht richtig essen und schlafen aus lauter Angst, daß das fremde Zeug nicht aufgehen könnte.«
»Und es ist doch so schön aufgegangen, Stephan.«
»Ja, Vater; und die Freude, die ich hatte, als ich die ersten, grünen Spitzen sah, kann ich nie beschreiben.«
»Aber vorsichtig mußt du doch sein mit neuen Dingen. Es könnte nicht immer so gut ausfallen ... die Klausen waren stets bedächtige Leute.«
»Das schon, Vater ...« Stephan dachte plötzlich an den Wald und an die neue Villa, »aber, wer nichts wagt, gewinnt nichts.«
»Hast du das in Innsbruck gelernt?«
»Ja.«
Darauf schwieg sein Vater, als ob er über die Antwort nachsänne, und Stephan schritt tüchtiger aus. Als er auf dem holprigen Fahrweg ankam, bemerkte er weiter unten eine Kutsche, die sich langsam näherte. Er blieb stehen, um sie vorbei fahren zu lassen, und sah, daß es ein fremdes Gespann war, das er nie gesehen hatte. Ein Mann mit hohem Hut und gelben Knöpfen lenkte die Pferde, und grünseidene Vorhänge verdeckten an den Fenstern das Innere des Wagens. Während der Wagen aber langsam an ihm vorbei fuhr, schob sich plötzlich eine Hand aus dem grünseidenen Vorhang und legte sich auf den schwarzlackierten Wagenrand. Nichts weiter kam zum Vorschein, nur diese weiße, müde Hand. Stephan aber konnte die Blicke nicht davon wenden und schritt dem Wagen nach. Der fuhr die Höhe hinauf, um die Wiesen herum, am Klausenhof vorbei, und noch immer schritt Stephan nach. Ohne es zu wissen, ohne es zu wollen, schritt er nach, bis die Kutsche vor der neuen Villa hielt und das helle, weiße Licht, das aus jedem Fenster drang, blendend seine Augen traf. Da schämte er sich und eilte heim.
Fünftes Kapitel
Frau von Kletten fror. Sie gab Befehl, sämtliche Zimmer zu heizen, und breitete sich überdies ein warmes Tuch um die Schultern. Dann legte sie sich auf den weichen Plüschdiwan, schloß ermüdet die Augen und dachte nach, warum in aller Welt sie eigentlich hergekommen war. Nach einer Weile fiel es ihr ein. Richtig, wegen Margarete. Sie war in den letzten Jahren so überzart geworden, irgendein Arzt hatte etwas von den Bergen gesagt, und der gute, ängstliche Papa hatte sofort eine Villa bauen lassen, eine Villa mitten im Wald, 1300 Meter hoch ... gräßlich!