»Dann? ...«
»Aber nicht für Unfälle.«
»Warum nicht?«
»Weil es nicht meine Gewohnheit ist.«
»Aber das eine gehört zum andern.«
»Ja.«
»Sie sind hartherzig,« sagte Frau von Kletten. Aber sie dachte: »Er ist nüchtern und praktisch, gerade wie es das Leben verlangt. Der einzig richtige Mann für meine Frida.«
Dann stand sie auf und sah sich nach den Mädchen um. Die waren fort.
»Also auf Wiedersehen,« sagte sie und reichte ihm die Hand, die er artig küßte. Als sie fort war, zündete er sich eine neue Zigarette an, und während er sie in langsamen Zügen rauchte, schaute er hinab auf die Wiesen, wo eine Schar Männer das erste Heu mähte. Sie boten ein schönes Bild, und der vornehme Müßiggänger auf dem Balkon betrachtete mit Künstlerblick und Künstlersinn, wie die nackten, braunen Arme in weichen, langen Linien die blitzenden Sensen führten und ein Strich Gras nach dem andern lautlos niedersank. Seine besondere Aufmerksamkeit aber galt einem jungen Mann. Er schied sich von den andern durch seine ungezwungene Haltung und seinen hohen, stolzen Wuchs ...
Und Hugo von Rotenau dachte: »Leicht wie ein Spielzeug handhabt er die Sense, und jede Gebärde verrät den Herrn. Wie stolz er sich trägt und wie vollkommen er ist. Ich habe nicht gewußt, daß es solche Geschöpfe gibt ... wenn ich einmal am Ende meines Ichs anlange und fühle, daß ich einen Menschen brauche, möchte ich diesen Knaben um seine Freundschaft bitten ...«