| »Wer baut an den Straßen, |
| Muß jeden reden lassen. |
| Der eine schaut vor, |
| Der eine schaut vor, |
| Der andere hinten, |
| So wird jeder einen Tadel finden.« |
| Adalbert Klausen. |
Stephan schaute noch immer auf den Namen unter dem Spruch. »Adalbert Klausen.« Der Name stand allein unter den anderen Namen – Adalbert. –
Niemand wußte etwas über sein Leben, nur daß er den Hof erbaut hatte, stand fest – und daß er ein Geschlecht hinterlassen hatte, das auf sich stolz sein konnte, bis – ja, bis auf den einen. –
Stephan straffte sich plötzlich in jähem Trotz.
Warum aber war er ein schlechter Klausen? Sah er etwa die neuen Ansiedelungen gern? Nein, gewiß nicht. Dann, warum war er schlechter als die andern Klausen? – Wie waren eigentlich die Klausen immer gewesen? Es gab eine Menge Geschichten darüber. Jeden Winter erzählten sie die Knechte aufs neue. Ein Klausen hatte einmal eine mittlere Eiche samt den Wurzeln aus dem Boden gerissen. Ein anderer hatte einen wütenden Stier ohne jede Waffe mit der Kraft seiner Arme gebändigt. Ein dritter hatte sich an einen Wagen, der schwer mit Steinen beladen war, gespannt und ihn den Berg heraufgezogen. – Also stark waren alle Klausen gewesen, stark und tapfer – aber war er das denn nicht auch? Stephan spreizte die Finger und sah hinab auf seine Hände. Große, braune Hände waren es, aber nicht breit und hart wie die des Vaters, sondern eher schlank und weich. Ja, er hatte zu lange in der Schule gesessen – und im plötzlichen Zorn drückte er die Rechte zur Faust. Die Nägel gruben sich in die Handfläche, und immer tiefer grub er sie. Erst zeigten sich vier rote Male, dann zeigten sich vier rote Tropfen, und schließlich zeigten sich vier rote Bächlein, die durch die Finger sickerten. –
Da erschien im Garteneingang, noch schmollend und gekränkt, aber doch Versöhnung wünschend nach echter Frauenart, abermals Maria. Zögernd blieb sie in der Türe stehen, da sie dachte, daß der Bruder ihr entgegenkommen werde. Weil er aber nicht kam, sich nicht rührte, trat sie zu ihm. Dann schrie sie laut auf. Stephan aber dachte an die Mutter, die erschrecken würde, und herrschte sie an: »Schweig.« Darauf spannte er die erstarrten Finger auseinander, hielt ihr die blutüberströmte Hand entgegen und fragte:
»Bin ich schlechter als die andern Klausen?«
Da begriff sie. Nun wollte sie aber nicht jammern, sondern zeigen, daß sie auch eine Klausen sei. Sie löste ihr Halstüchlein und wischte das Blut von seiner Hand. Dann küßte sie die Wundmale, küßte sie einzeln, leise und zärtlich, und dabei sagte sie:
»Du bist der beste Klausen.«