»O, Maria!«
In echter Freude stieß sie die Worte hervor, nahm ihr das Tuch von den Schultern, schüttelte den Schnee daraus und zwang Maria in den weichsten Stuhl beim Feuer. Dann brachte sie wärmenden Tee, weiches, lockeres Brot und erkundigte sich mit überstürzenden Fragen nach der Mutter, nach Stephan und nach dem Gesinde.
Aber immer vermied sie Marias Augen, und eine feine, mädchenhafte Röte kam und ging auf ihren Wangen. Sie schämte sich vor Maria ihres Zustandes, und Maria, die nichts davon gewußt hatte, war freudig und peinlich überrascht. Und während sie beim Feuer saß, auf Theresens Reden lauschte und wohltuend die Behaglichkeit empfand, die aus jedem Ding und Winkel strömte, drängte sich ihr auf: »Therese ist glücklich.«
Ja, Therese war glücklich. Davon zeugten die traulich gerückten Möbel, die schützenden Decken und Deckchen, die schneeigen Spitzengardinen und die leuchtenden Blumen dahinter ... Blumen gedeihen nicht gern neben Sorgen.
Ja, Therese war glücklich. Das sang der Vogel im Bauer, das sang das Feuer im Herd, das sangen Theresens Augen, das klang aus jedem Wort. Und ein Triumph war dahinter, ein Triumph über das Böse, das ihr gedroht hatte ...
Gegen Mittag kam überschneit und durchgefroren ihr Mann nach Hause, und nun sah Maria erst, wie glücklich Therese war. Sah, wie süß die Sorge tat, die er um sie, die sie um ihn bezeigte, sah, wie die beiden sich verstanden, durchdrangen und ergänzten, sah, daß Therese im Herzen dieses schlichten Mannes eine Heimat hatte, einen Königinnensitz, und in ihrem abgemarterten Gehirn sprangen wirre, sehnsüchtige Gedanken auf.
»Zugehörigkeit! für den Mann zum Stamm ...
Für das Weib zum Mann ... Zugehörigkeit! ...«
Und plötzlich sprang sie vom Stuhle auf und wollte heim.
Aber dagegen wehrte sich Therese energisch.