Und als Stephan jetzt einen Augenblick ausruhte, kroch eine tiefe Röte unter sein blondes, lockiges Haar. Bedächtig nahm er dann die Arbeit wieder auf, und später als gewöhnlich ging er heim. Aber er ging mit strenggefalteten Brauen und geradeaus gerichteten Blicken, wie jemand, der in eine drohende Ferne schaut.

Und ihm voraus tanzten seine Gedanken mit Kuckucksgelächter und Altweibergesichtern. Gewaltsam riß er sich endlich los.

Was war es, das der Altknecht gestern gesagt hatte ...?

Richtig, Holzdiebereien waren vorgekommen, und letzten Sonntag hatten sie in der Almhütte eingebrochen. So etwas durfte nicht wieder geschehen. Aber wie sollte man es verhüten? Der Viehhüter war ein uralter Mann, erprobt und verläßlich, Fahrlässigkeiten gab es da nicht. Fenster oder Türen offen lassen, während er mit dem Vieh war, Gott behüte. Also das Ärgste an der Sache war, daß die Kerle eingedrungen sind, ohne den Riegel beim Fenster oder das Schloß an der Türe anzurühren. Teufelsmäßig sah es aus. Was sollte man dagegen tun? Er wußte es nicht, der Altknecht wußte es auch nicht. Der Vater hätte es wohl gewußt und hätte es ihm wohl auch irgendwie gesagt, wenn noch alles so wäre wie früher. Aber seit einiger Zeit spürte er die Nähe des Vaters nimmer, die er sonst in schweren, ratlosen Fällen immer empfand. Das war vielleicht auch eine Strafe ...

Voll schwerer Sorge sah Stephan in das frühlingsgrüne Land und voll schwerer Sorge auf die Höhe, wo der Klausenhof grau und ehrsam in der Abendsonne stand. Aber ein wenig müde stand er da, wie gedrückt von vielen Sorgen. Stephan dachte jetzt an die Antwort aus Innsbruck, an das Büchlein mit Bauplänen und Kostenüberschlag, das er schon so lange in der Tasche trug. Aber die Mutter hatte recht.

An den Hof durfte man nicht rühren. Alle Klausen, von Adalbert Klausen angefangen bis hinauf zu seinem Vater, würden dagegen sein. Mit erhobenen Händen würden sie dagegen sein, und der Adalbert würde sagen: »Das hab ich nicht gedacht, daß einer aus den Unseren einen Tadel finden könnt. Schaut, der Junge ...«

Und zum unzähligen Male las Stephan den Spruch:

»Wer baut an den Straßen,
Muß jeden reden lassen.
Der eine schaut vor, der andere hinten,
So wird jeder einen Tadel finden.«

Ja, der Hof mußte bleiben, wie er war. Schon des Spruches wegen. Es war ein seltener Spruch. Voll Kraft und Trotz und Verachtung für alles im Tale. Wie der Adalbert zürnen würde, wenn er plötzlich aus dem Grabe käme und den Jungen da sähe. Den Jungen, seinen Erben, den Herrn seines Hofes, und so voll wunderlicher Sehnsucht und aufrührerischer Gedanken ... Aber da kam er schon wieder in dieses fremde Zeug ... Woran hatte er nur gerade gedacht?

Ja, an die Holzdiebereien in den Wäldern und an die Räuberei auf der Alm ... feines Handwerk das! ... aber er, der Klausenbauer, wird es ihnen legen. Und weil der Altknecht gerade im Hof bei den Schweinen stand, rief ihn Stephan und sagte: