In der Villa Waldfriede wurden eines Tages die grünen Fensterläden aufgestoßen, und ein sorgsam betüchelter Altweiberkopf zeigte sich hinter den Scheiben. Nach einer Weile öffneten sich auch die Fenster, und der Altweiberkopf hob sich vorsichtig heraus. »Herrgottl, war's da oben schön! So schön, nein, nicht zum Sagen. Das viele dürre Holz in den Wäldern, das man zusammenklauben durfte, ohne viel nach jemand zu fragen, und die vielen heilsamen Kräutlein in den Wiesen, die niemand gehörten als dem lieben Herrgott und dem, der sie gerade fand.
Wunderschöne Kräutlein, gegen Husten und Brustweh und Brust- und Kopfgeschwüre und Krampfadern. Ja, wegen den Kräutlein, die man da oben gleich zur Hand hat, ist es ein Gutes, da zu leben. Aber insonsten ...,« und der Altweiberkopf wackelte verdrossen hin und her, »ist das Leben da oben ein' Sünd' und ein Greuel ... Wie die Klausen das aushalten können, jahrein, jahraus ohne Kirchen und Ablässe, und nur alle Sonntag eine heilige Messe unten in Kampenn ... O, das arme Jesulein ...«
Noch immer verdrossen wackelnd zog sich der betüchelte Kopf zurück, und Stephan, der vom Felde aus den Vorgang gesehen hatte, starrte fassungslos auf den leeren, gähnenden Fensterschlund. Schreck und Freude malte sich auf seinem Gesicht, und eine Weile war es, als schwankten seine Knie.
Die alte Kathi, die jeden Sommer zuerst kam, um die Wohnung für die Doktorsleute zu säubern und zu richten, war da. Himmel! so nah war der Sommer ...
Am liebsten hätte er die Hacke fortgeworfen und wäre auf dem Felde auf und ab gestürmt, aber es war möglich, daß die alte Kathi ihn sah, und das war ein böses, klatschsüchtiges Frauenzimmer, vor der man sich in acht nehmen mußte. So arbeitete Stephan weiter und beruhigte sich allgemach. Was war es schließlich und endlich auch Großes? ... Die alte Kathi war da. So ein nichtsnutziges, ränkesüchtiges Frauenzimmer, das schon dreimal unter einen vollen Heuwagen zu liegen kam, ohne Schaden zu nehmen, und deren Maul man wird extra totschlagen müssen, wenn es vielleicht doch einmal mit ihr ans Sterben geht. Und der Anblick dieses zahnlosen Ungeheuers gab ihm diesen tollen, freudigen Schreck ... Ja, was anders war es, als vor ein paar Tagen der Kuckuck rief.
»Kuckuck ... Kuckuck ... Kuckuck.«
Da hatte er ein Gefühl gehabt, als müsse er den ganzen Berg aus den Fugen rücken, und als er spät abends nach Hause ging, hatte er ein übermütiges Lied geschmettert:
| »Diandl, woas suachst denn doa, |
| Hoast woas valoarn? |
| Liegt eppa dei Jungfernkranz |
| Drinnen in Koarn? |
| Juchei! Juchei! Juchei!« |
Das konnte man schon verstehen, daß man sich freute, wenn der Kuckuck rief. Aber wegen der Alten ...
Stephan drehte sich so, daß er Waldfriede im Rücken hatte ..., was ging ihn das alles an? Und sogar der Kuckuck! Er bedeutete den Sommer ... nun ja, aber was geht ihn der Sommer an? Er ist der Klausen, ein einfacher Bauer, der keine Zeit und keinen Sinn hat für den Sommer. So etwas ist für Stadtleute. Aber er ist ein Bauer und macht sich nichts aus dem Sommer, denn die heiße Jahreszeit bringt oft Viehseuchen und Waldbrände ... ganz abgesehen von Hagel und Gewittern. Nein, er macht sich nichts aus dem Sommer ...