»Nein, da fehlte auch nichts.«
Und Stephan ging in das Zimmer, in das große eheliche Schlafzimmer, das jeder junge Klausen mit dem Hofe übernahm.
Er selbst wäre lieber in seinem Knabenstübchen geblieben, aber der Leute wegen hielt er sich an die Tradition.
Die Fenster waren weit offen, und der frische Frühlingswind fuhr in die Falten der großgeblümten Vorhänge, daß sie aufflatterten und sich wichtig blähten. Und der frische Frühlingswind strich über die uralte Kommode, über den uralten Schrank bis hinüber zu dem uralten Bett ... ja, dort fehlte etwas ... dort fehlte das andere uralte Bett. Es war auch zeitlebens dort gestanden, aber er hatte es gleich am Anfang seiner Herrschaft hinausräumen lassen ... und nun fehlte es ... fehlte ein Bett.
Aber Herrgott, weil ein Bett fehlt, das kann es doch nicht sein!
... Aber es war doch so, und Stephan kniff die Lippen ein, wie er es manchmal tat, wenn er scharf nachdachte, und schaute hinüber zu dem Wald, wo die Lärchen und Fichten den letzten Schnee abwarfen, wie Frauen, die das letzte Kleid abwerfen und frei und froh sich dehnen. Und er sagte:
»Frühling, Frühling, du toller, wahnsinniger Frühling, sei still, ich bin der Klausen. Der Klausen, der ein Bauer ist und ein Fürst sein möchte ... O Frühling, sei still ...!«
Aber der Frühling ward nicht still. Er tobte und schmeichelte, er drohte und streichelte, und in all die tausend Blumenkränze, die er aus dem Boden zog, zeichnete er Gesichter, blasse, feine Mädchengesichter.
Und Stephan haderte mit dem Frühling und haderte mit der Welt. Er wurde ungerecht gegen das Gesinde, scharf gegen Maria und sah und wußte nicht einmal mehr, daß sie auch mit dem Frühling stritt.