Plötzlich fuhr Therese auf. Der Kleine hatte sich gerührt, hatte seine knöchernen, wachsgelben Händchen in die Höhe gestreckt, zu Fäustchen geballt und an das Gesicht gedrückt. Dann begann die kleine Brust zu keuchen und zu würgen. Da riß ihn Therese aus dem Bettchen, und nun folgte ein so gräßlicher Hustenanfall, daß Maria ihre Hände in ihre Haare grub und sich abwandte, weil sie nicht mit ansehen konnte, wie der kleine Körper geschnellt wurde, und wie Schaum und Schleim und Blut aus dem Mündlein floß. Noch lange, nachdem es vorüber war, wagte Maria sich nicht umzudrehen, und als sie endlich wieder hinschaute, lag der Kleine im Bettchen, und die Mutter beugte sich qualvoll über ihn. Plötzlich schrie sie laut auf.
»Er stirbt! O heilige Jungfrau, er stirbt!«
Dann warf sie sich neben dem Bett auf den Boden, und Maria stand, von Grauen geschüttelt, daneben. Der Kleine schluckte und verdrehte die Augen.
»Die Kerzen!« wimmerte Therese, »... die geweihten Kerzen ...!«
Aufs Geratewohl stürzte Maria an den Schrank und wühlte unter den weißen, saubergefalteten Linnen. Endlich fand sie die Kerzen, entzündete sie mit stark zitternden Händen, und der gelbe Schein der Wachslichte leuchtete feierlich durch den Raum. Aber während Maria die Kerzen entzündete, hatte sie einen Gedanken.
»Mußte denn der Kleine sterben?«
Sie stand eine Weile mit gesenktem Kopf und dachte nach.
»Höre, Therese!« sie glitt auf den Boden neben die Weinende und rüttelte sie an den Schultern, »... steh auf und gib acht auf den Kleinen. Er darf nicht sterben ... hörst du, Therese? ... drei Stunden mußt du schaun, daß er lebt ...«
Therese hob verständnislos die tränengefüllten Augen.
»Was meinst du?«