Maria hüllte sich schon in ihr Umhangtuch.
»Ich geh zur Geisler Toni. O ... du weißt nicht, wie ich sie bitten werde. Auf den Knien werde ich sie bitten, daß sie den Fluch zurücknimmt ...«
Da senkte die stolze Therese tief gedemütigt den Kopf und flehte:
»Ja, bitte sie ... und sage ihr, der Hof und alles, was wir haben, gehört ihr, wenn sie es tut ...«
Maria nickte hastig, warf noch einen Blick auf den Kleinen, der noch immer so eigenartig schluckte, und stand dann draußen in der frostklaren Luft.
»Drei Stunden,« murmelte sie, »drei Stunden ...« und sie hob die Röcke hoch, um besser laufen zu können, denn laufen mußte sie, wenn sie in drei Stunden dort sein wollte. Die Geisler-Hütte stand irgendwo dort drüben ... als Kind war sie oft daran vorbeigekommen, wenn sie nach Kampenn in die Schule ging ... ja, irgendwo dort drüben mußte sie sein ...
Atemlos, immer nur das Kind vor Augen, hastete Maria talwärts. Sie glitt oft aus und versank bis zu den Knien im Schnee, aber sie war verschneite Wege gewohnt und lief unverdrossen weiter.
Nach einiger Zeit aber wurden ihr die Röcke schwer und begannen unter ihren Füßen zu klirren. Das waren die Ränder, die, vom Schnee feucht geworden, zu Eis erstarrten. Und weil sie nicht nur schwer waren, sondern auch bei jedem Schritt schmerzhaft um ihre Beine schlugen, blieb sie stehen, um einen Augenblick auszuruhen.
Da merkte sie nun, daß sie schon lange gelaufen sein mußte. Erstens, weil ihre Knie vor Frost und Müdigkeit zitterten, und zweitens, weil es schon dunkel war. Dunkel ... und sie hatte die Laterne vergessen.
»Barmherziger Gott!«