Sie krampfte die Finger ineinander und stand unschlüssig da. Zurückgehen ...? Unmöglich! Wer weiß, wie lange das Kind noch lebt ... Jede Minute war kostbar ... aber dann, was tun? In der Dunkelheit weitergehen? ... Ja, es war das einzige. Vielleicht kam sie bei einem Haus vorbei, oder vielleicht kam der Mond ...
Sie raffte die klirrenden Röcke zusammen, bog die beeisten Zweige zurück und drang weiter in den weglosen Wald. Dabei dachte sie:
»Nach dem Wald muß eine große Wiese kommen, und jenseits der Wiese muß es sein. Sie werden auch, trotzdem sie arme Leute sind, ein Lämpchen brennen, und das Licht muß man schon von weitem sehen.«
Mit neuer Kraft strebte sie vorwärts. Aber der Wald nahm kein Ende. Unaufhörlich schlugen ihr die beeisten Zweige ins Gesicht, und die eine Hand, die sie tastend von sich streckte, griff Bäume, immer Bäume. Dazu wurden ihr die Röcke unerträglich schwer.
Das Licht ...! Mein Gott! wo war das Licht ...?!
Sie riß die Augen weit auf und versuchte, durch das Dunkel zu dringen. Und da sprangen Lichter auf, rote, tanzende Lichter, und ein Schwindel fuhr in ihren Kopf, und wie kalte Hände griff etwas an ihr Herz ...
Da ließ sie ihre Röcke los und taumelte.
»Das Kind ... das Kind ... Herr, hilf ...!«
Und er half. Ein Licht, ein wirkliches Licht tauchte auf, kam näher und näher, und Maria sah, daß es eine Laterne war, die ein Mann trug. Sie sah nur immer auf das Licht, nicht auf den Mann, darum erkannte sie ihn erst, als er ganz nahe war. Da schluchzte sie auf, und der Mann stellte die Laterne erschrocken in den Schnee.
»Maria!« sagte er. Dann hob er sie behutsam in die Höhe, stützte sie mit seinen jungen, starken Armen, und die Wärme seines Leibes durchströmte sie. Eine Weile gab sie sich dem wohltuenden Gefühle hin, dann aber erinnerte sie sich an alles, was geschehen war, und sie löste sich aus seinen Armen. Er gab sie sofort frei, hielt sie aber noch an den Händen und sah ihr besorgt in das Gesicht.