»Wie war denn der Anfang?«

»O, den werde ich nie vergessen ... Ich pflügte das Feld und freute mich, daß die Erde so fett und locker war, so schwarz aussah, so gut roch und der Pflug so blitzeblank dazwischen fuhr.

Da flog auf einmal ein feines weißes Tuch daher und blieb vor mir liegen. Gerade vor meinem blitzeblanken Pflug. Ich reiß' ihn noch schnell zurück, sonst hätte er das feine Tüchlein in die schwarze Erde gegraben. Und wie ich es aufhebe und mich wundere, wie zart und fein es ist, kommt ein Zug Reiter dahergesprengt, und ganz vorne auf einem schneeweißen Pferd sitzt die Gräfin. Sie sah, daß ich das Tüchlein hatte und trieb ihr Pferd dicht an meinen Pflug. Ich wollte ihr das Tüchlein aufs Pferd reichen, aber in dem Augenblick sah sie mich an, und da zitterte ich so heftig, daß es mir aus der Hand fiel. Ich wollte es aufheben, aber da hatte sich schon einer ihrer vornehmen Begleiter von seinem Roß geschwungen, das Tüchlein rasch genommen und es ihr gegeben. Da schämte ich mich und stand beiseite, bis sie alle vorbei waren. Aber am nächsten Tag kam die Gräfin allein an meinem Acker vorbei und warf mir im Vorüberreiten eine Blume zu ...

Von dem Tag an ging ich jede Nacht um ihr Schloß herum, bis sie dann in der grauslichen Nacht voll Donner und Blitz zu mir herunterkam ...«

»Und dann ...?« sagte Stephan mit gespanntestem Lauschen.

Aber es blieb still, und plötzlich lachte er laut auf.

Diesen Anfang hatte ihm sicher nicht Adalbert erzählt, sondern den hatte er selbst gedichtet ... und wenn er einen Anfang dichten konnte, konnte er wohl auch ein Ende dichten ...

Es wurde ihm gar feierlich zumute, und er sagte, während er sann: »... dann haben wir uns geküßt, und ich habe sie fest in ihren seidenen Mantel gehüllt und durch den Blitz und Donner auf den Berg getragen. Mitten am Wege aber sagte sie:

›Wohin trägst du mich, Adalbert?‹

Und ich sagte: