Wagten sie es dann aber, ihm vorzustellen, wie wichtig es sei, endlich zu schneiden, sprang in seine Augen ein Flackern, daß sie scheu zurückwichen und betroffen an ihre Arbeit gingen.
Was hatte er denn diesmal mit dem Sommer? Sie schüttelten ihre struppigen Köpfe und konnten ihn nicht verstehen. Was hatte er denn diesmal mit dem Sommer? Es war doch ein Sommer wie jeder andere Sommer, ein bißchen heißer vielleicht und ein wenig mehr Alpenrosen als gewöhnlich.
Nur Maria wußte, was es an sich hatte mit diesem Sommer.
Sie wußte, warum Stephan diesen Sommer so störrisch, so töricht halten wollte. Ja, Maria wußte noch mehr. Sie wußte, daß Stephan mit den ersten Wintertagen wieder ungerecht und grausam werden, und daß er schließlich wieder davongehen und den Hof verlassen würde, wie ein ungetreuer Fähnrich seine Fahne.
Und voll schwerer Sorge dachte sie an das Ende. Aber auch Stephan sann über das Ende. Nicht über das Ende, das Maria meinte, sondern über das Ende der Geschichte von Adalbert und der Gräfin.
»Wie war denn das Ende?«
Aber niemand, selbst die ältesten Leute, die er heimlich ausholte, wußten etwas von der Geschichte. Und der alte Michl oben auf der Alm, der einzige, der vielleicht hätte Auskunft geben können, behauptete starrsinnig, er wisse kein Sterbenswörtlein weiter. Da nahm Stephan sich vor, den Adalbert selbst zu fragen, und weil er meinte, daß man mit Toten nur um Mitternacht reden könne, blieb er eines Abends auf seinem einschichtigen Bett sitzen, und als es zwölf Uhr schlug, fragte er laut in die leere monddurchleuchtete Stube:
»Wie war denn das Ende, Adalbert?«
Und jemand sagte:
»Ich bin schon so lange tot und habe es vergessen. Nur den Anfang weiß ich noch.«