»Oh, ich weiß es nicht. Nur, daß sie ihn geliebt hat, weiß ich, denn sie kam einmal zu ihm herunter in einer grauslichen Nacht voll Donner und Blitz.«

Margarete machte große gedankenvolle Augen.

»Und das Ende wissen Sie nicht?«

»Nein, das weiß ich nicht.«

Er schämte sich jetzt, daß er das Ende nicht wußte, und sinnend gingen sie über die Wiese. Den ganzen Weg redeten sie nichts, und als sie bei der Villa standen und sich trennen mußten, sah sie ihn ohne Worte an. Er wartete, bis ihr weißes Kleid zwischen den Büschen verschwunden war, dann setzte er den Weg zum Klausenhof mit versonnenen Augen fort. Als er durch das Tor trat, glaubte er erst, der Hof sei leer. Dann sah er neben dem großen Leiterwagen eine Gestalt, die zu beben und zu schlottern begann. Unter dem Leiterwagen aber stand eine Flasche, deutlich sichtbar und halb geleert. Stephans Mienen aber veränderten sich nicht. Mit dem versonnenen Ausdruck noch immer in den Augen, ging er auf den zitternden Knecht zu und sagte:

»Ich sehe, du trinkst den Wein gerne. Du sollst jeden Tag einen Liter haben statt einen halben.«

Sechsundzwanzigstes Kapitel

Im Klausenhof begann diesen Sommer eine so nachsichtige Wirtschaft, wie sie der stramme Hof noch nie erlebt hatte, denn gleich der Natur, die Wald und Feld für den bösen Winter mit dem schönen Frühling lohnt, zeigte sich Stephan voll überströmender Güte gegen jede Kreatur. Die Leute arbeiteten darum auch nicht minder fleißig und gewissenhaft. Sie schätzten seine neue Art, dachten nur ungern an die Angst, die sie noch letzten Winter vor ihm hatten, und liebten ihren jungen blonden Bauer, wie ihn jeder lieben mußte, der ihn sah. Und wenn er gar zu ihnen trat, mit gedämpfter Stimme redete und dabei wohl gar die Hand auf den Arm des einen oder des andern Knechtes legte, daß er neben ihnen stand wie ein Freund und Bruder, nicht wie ein Herr, quoll in ihre rauhgewohnten Seelen zitternde Dankbarkeit, und sie hätten für ihn mit Drachen gekämpft, hätte er es gewollt. Aber er wollte beileibe solche Sachen nicht von ihnen, ließ ihnen im Gegenteil in allen Dingen freie Hand und begutachtete alles, was sie für gut hielten. Nur mit der Ernte wollte er nicht beginnen lassen, und die Knechte wunderten sich baß darüber, denn die Zeit dafür war da, und das Korn lag schwer vornüber. Aber so oft sie davon redeten, schüttelte er den Kopf und sagte:

»Nein! nein, solange das Korn steht ist Sommer. Es ist ein so schöner Sommer heuer ...«

Und er lächelte geheimnisvoll.