»... dann habe ich sie fest in ihren seidenen Mantel gehüllt und durch den Blitz und den Donner auf den Berg getragen. Mitten am Wege aber sagte sie:
›Wohin trägst du mich, Adalbert?‹
Und ich sagte:
›Zum Klausenhof. Er ist der schönste Hof im Land und wird dir auch gefallen.‹
Aber sie sagte:
›Meinst du den Kasten da? Er hat keine Zugbrücken und keinen Graben, keine Anlagen und keinen Teich, keine Erker und kein Wappen. Ich habe nie ein so häßliches Haus gesehen, und es ist ein Glück, daß es so hoch oben und so verborgen steht. Mich aber trage in mein Schloß zurück.‹
Da trug ich sie zurück und eilte mich sehr, denn sie befürchtete nun, daß ihre Frauen sie vermissen könnten. Als ich sie dann sicher im Schlosse wußte, ging ich nach Bozen und kaufte mir eine schöne rote Farbe. Damit schrieb ich auf den Klausenhof den Spruch, den du ja kennst und der dir auch so gut gefällt. Danach fand ich den Klausenhof noch schöner als vorher. Ich arbeitete fleißig und dachte auch nicht mehr so oft an die Gräfin. Als ich sie aber ganz vergessen hatte, heiratete ich eine brave Müllerstochter ...«
Leise stöhnend lehnte sich Stephan an ein Büschel Garben.
Ja sicher, so war das Ende. Denn den Hof stehen lassen, wo er stand, und sich nicht mehr darum kümmern, brachte kein Klausen zuwege. Und was hatte auch Maria gesagt, als er ihr vor ein paar Tagen beiläufig erzählte, daß der Staffler Bauer vom Ritten drüben anstatt zu pflügen und zu säen, in Bozen unten herumsitze und Weinhandel treibe ...?
»Wo ein Hof ist, muß ein Bauer sein. Der Bauer gehört zu seinem Hof ... und Schuster bleib bei deinem Leisten ...« hatte sie gesagt. Und sie hatte recht. Eine Gräfin kann keine Bäuerin, und ein Bauer kann kein Graf werden. Bei der einen stand das Schloß und bei dem andern stand der Hof im Wege ...