»Nein,« sagte sie nachdenklich, und als ob sie einen plötzlichen Einfall bekommen hätte, frug sie: »Warum gehen Sie nicht nach Budapest?«

»Nach Budapest?! Das ist doch in Ungarn, was sollte ich dort tun?«

»Dasselbe was Sie hier tun, nur mit dem Unterschied, daß Sie dreimal soviel bezahlt bekommen als hier und kein Dienstmädchen sein werden, sondern ein Fräulein.«

Ich faltete langsam meine Hände, wie ich es immer tat, wenn ich tief bewegt war. »Aber,« sagte ich endlich, »werde ich denn fein genug für eine solche Stelle sein?«

»Natürlich, sonst würde ich es Ihnen doch nicht raten.«

Bei den letzteren Worten war sie aufgestanden und schickte sich zum Gehen an. Sie reichte mir die Hand und streichelte mir die Wange. »Also auf Wiedersehen, und überlegen Sie sich, was ich Ihnen gesagt habe. Ich meine es gut mit Ihnen.«

Nachdem sie gegangen war, wiederholte ich mir jedes ihrer Worte; besonders ging der eine Satz mir nicht aus dem Kopf: »Sie bekommen dort dreimal soviel bezahlt« ... Dreimal soviel ... Ich rechnete in Gedanken ... Dreimal zehn Kronen, das waren ja dreißig Kronen ... Dreißig Kronen jeden Monat, das wäre eine Unsumme, die ich selbstverständlich nie aufbrauchen könnte; doch würde ich die Hälfte davon natürlich jeden Monat nach Hause schicken, damit sie von irgend jemand eine kleine Hilfe hätten, denn das Geschäft, so schrieb man mir, ging immer schlechter ... »Du gütiger Gott,« betete ich in meinem Herzen, »mit dreißig Kronen im Monat wäre uns allen geholfen.«

Diesen Abend kam ich zu spät nach Hause, und meine Frau hielt mir eine sanfte Strafpredigt, die mir, und zwar zum erstenmal, nicht sehr zu Herzen ging. Ich hatte mir erst vorgenommen, der Köchin meine Unterredung mit dem Mädchen mitzuteilen; dann überlegte ich, daß es besser sein würde, noch nichts zu sagen, sondern abzuwarten, ob überhaupt aus der Sache etwas würde.

In den nächsten Tagen suchte ich ängstlich nach meiner neuen Freundin, doch es vergingen fast acht Tage, ehe ich sie wieder zu Gesichte bekam. Ich lief hastig auf sie zu und beantwortete nur flüchtig ihren freundlichen Gruß.

»Wo waren Sie denn so lange?« frug ich.