»Immer zu Hause beschäftigt,« erwiderte sie und sah erstaunt auf mein erhitztes Gesicht. Ich zwang mich zur Gleichgültigkeit und ließ mich neben ihr nieder. In meiner Ungeduld aber konnte ich kaum warten, von dem Gegenstande zu reden, der mir so nahe lag, doch mochte ich selbst nicht davon anfangen. Sie aber schien gar nicht mehr an unsere frühere Unterredung zu denken. Sie streifte sie mit keinem Laut, doch war sie freundlich wie immer. Als es endlich anfing dunkel zu werden und ich die Kinder nach Hause nehmen mußte, faßte ich mir ein Herz und sagte anscheinend ganz gleichgültig: »Ich wollte Ihnen noch sagen, daß ich über alles, was Sie mir geraten haben, nachgedacht habe und daß ich sehr gern nach Budapest gehen würde.«

Es schien mir, als ob sie in Verlegenheit geriete, und ihre nächsten Worte bestätigten dies. »Mein liebes Kind,« sagte sie, »es tut mir leid, daß ich Gedanken in Ihnen wachgerufen habe, die vielleicht Ihre sichere gegenwärtige Lage bedrohen könnten.«

Ich fühlte, wie plötzlich alle Freude aus meinem Herzen schwand, und mit fast weinerlicher Stimme sagte ich: »Ich verstehe Sie nicht ... Sie haben doch gesagt ...«

»Ganz richtig,« unterbrach sie mich, »ich habe verschiedenes gesagt, was ich jetzt bereue, weil ich sehe, daß meine Mutter vollkommen recht hatte.«

»Ihre Mutter? – So haben Sie Ihrer Mutter davon gesprochen?«

»Ja! Ich habe meiner Mutter oft von Ihnen erzählt und berichtete ihr auch unser letztes Gespräch, worauf sie sagte, es sei sehr unüberlegt von mir gewesen, Sie mit Ihrer gegenwärtigen sicheren Lage« – sie betonte das Wort: »sicheren« besonders – »unzufrieden zu machen.«

»Ich verstehe, Ihre Mutter meint, ich sei für so eine Stelle nicht fein genug, und es sei darum nicht sicher, ob man mich behalten wird.«

Nach diesen Worten schlang das Mädchen ihren Arm um mich. »Sie sind ein Dummchen und viel zu fein für jede Stelle; doch weil Sie leider so ein armes Mäuschen sind und sich nun einmal Ihr Brot verdienen müssen, sind Sie in einem so stillen Orte, wie unser altes liebes Krems ist, viel besser aufgehoben als wie in Budapest, wo die Gefahren stündlich Sie umlauern.«

Die Rede rührte mich ungemein, und ich verstand nun wirklich. »Ich weiß, was Sie meinen, aber Sie brauchen nichts zu fürchten, ich bin kein leichtsinniges Mädchen.«

»Pst,« sagte sie in dem sanften, beruhigenden Tone, in dem eine Mutter zu ihrem aufgeregten Kinde spricht, »natürlich sind Sie kein leichtsinniges Mädchen, doch sind es ja gerade die braven Mädchen, die immer hineinfallen.«