Meine Eltern waren indessen nach Wien übergesiedelt. Ich hatte von den veränderten Verhältnissen nicht viel erfahren und frug mich heimlich, wie wohl die Wohnung sowie das Geschäft beschaffen sein würden. Als ich aber bei meinen Eltern ankam, sank mein Mut. Alles bot einen traurigen Anblick dar. Das Geschäft war ganz klein und fast leer, und die Wohnung bestand nur aus einem Zimmer. Das Zimmer enthielt einen kleinen eisernen Ofen, einige Betten, einen Stuhl und einen Tisch; dazu lag der Raum unterirdisch und hatte weder Luft noch Licht.

Mein Vater war allein zu Hause. Nachdem ich ihn begrüßt hatte, frug ich nach meiner Mutter und erfuhr, daß sie eine Stelle als Aufräumerin für tagsüber angenommen hatte und erst gegen acht Uhr abends heimkommen würde.

Ohne meinen Hut abzunehmen oder meine Jacke auszuziehen, hatte ich mich auf eines der Betten gesetzt und hörte schweigend auf die Dinge, die mir mein Vater erzählte. Ich hatte ja das alles schon so oft gehört, und nun hörte ich es wieder.

»Werdet ihr denn Platz für mich haben?« frug ich endlich.

»Natürlich,« erwiderte mein Vater, »es muß eben gehen; du kannst ja mit einem der Kinder schlafen.«

»Wo sind denn die Kinder?«

»Fort, Geld verdienen.«

»Womit?«

»Sie tragen Zeitungen aus.«

»Sobald ich gesund bin,« sagte ich, »werde ich zum Haushalt beitragen.«