Mensch, wo du Tugend wirkst mit Arbeit und mit Müh,
So hast du sie noch nicht, du kriegest noch um sie.
Wer unbeweglich bleibt in Freud, in Leid, in Pein,
Der kann nunmehr nit weit von Gottes Gleichheit sein.
Wer nichts begehrt, nichts hat, nichts weiß, nichts liebt, nichts will,
Der hat, der weiß, begehrt und liebt noch immer viel.
Mensch, so du etwas liebst, so liebst du nichts fürwahr:
Gott ist nicht dies und das, drum laß das Etwas gar.
Nichts ist, das dich bewegt, du selber bist das Rad,
Das aus sich selbsten läuft und keine Ruhe hat.
Mensch, deine Seligkeit kannst du dir selber nehmen,
So du dich nur dazu willst schicken und bequemen.
Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir:
Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.
Mensch, wo du deinen Geist schwingst über Ort und Zeit,
So kannst du jeden Blick sein in der Ewigkeit.
Der Weise, welcher sich hat über sich gebracht,
Der ruhet, wenn er läuft, und wirkt, wenn er betracht't.